Runde 6: Stefan Heidenreich und Roters&Szolnoki

SH: Es erstaunt immer wieder, wie schwer gerade Künstler*innen sich damit tun, anderer Leute Ansichten über ihre Werke zu respektieren. Stattdessen hängen viele immer noch der eigentümlich unaufgeklärt absolutistischen Idee der „Autonomie‟ nach, die spätestens seit dem Aufkommen sozialer Medien reichlich absurd geworden ist. Selbstverständlich kann heute jede und jeder schreiben, filmen, kunsten, zwitschern und ganz allgemein äußern, was sie/er will. Wen kümmert's? Das ist die entscheidende Frage, und nicht erst seit wir es dank sozialer Medien genauer wissen.
In dieser Lage kann es nur darum gehen, die Verschiebung von der Angebots- zur Nachfrageseite, um es ökonomisch zu sagen - endlich in der Praxis der Kunst abzubilden. Über Werte und Räume sollten also nicht nur Sammler*innen und Expert*innen entscheiden, sondern auch Betrachter*innen, demokratisch, sozusagen. Ich bin sehr neugierig, welche neue Kunst dann entsteht. Vermutlich wird alles was kommt erst einmal von Naserümpfen, Abscheu und Missachtung begleitet. Aber das wäre ja nichts neues. Jede neue Kunst musste sich durch die Abwehr der alten Ordnung durchkämpfen und die angestammten Hüter von Qualität und Wert und Wahrheit überwinden, um ihren Weg zu finden.


R&S: Occupy art! Kill your idols! Auf die Barrikaden!

 

https://youtu.be/YTouwbEtfyw


SH: In dem Dorf, das niemand kennt, haben Hühner Zähne. (Ivorisches Sprichwort)