Veranstaltungen

Freitag, 17. Dezember 2004, 19.00
Mobiles Erinnern
Crossings

Zum 60. Mal jährt sich der Todesmarsch ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter durch Österreich. Aus diesem Anlass organisiert Christian Gmeiner ein Gedenkprojekt. Von April 2004 bis Mai 2005 wird eine Stahlplastik zu den ehemaligen Stätten der Massaker gebracht. An den Aufstellungsorten finden Veranstaltungen wider das Verdrängen mit lokalen Verantwortlichen statt; parallel dazu wird ein Dokumentarfilm mit Zeitzeugeninterviews produziert. Die verschiedenen medialen Ebenen sprengen die bekannten Formen der Gedächtniskunst. Christian Gmeiner spricht über die Projektidee, der ungarische Historiker Szabolcs Szita über die historischen Hintergründe und Paul Gulda über die bisherigen Aktivitäten des Vereins RE.F.U.G.I.U.S. in Rechnitz.

Christian Gmeiner, Künstler, Krems
Paul Gulda, Musiker, RE.F.U.G.I.U.S., Oberwart
Eleonore Lappin, Institut für Geschichte der Juden in Österreich, St. Pölten

Donnerstag, 16. Dezember 2004, 21.15
Pursuit of Happiness
Film und Theorie

Peter Mettlers "Gambling, Gods and LSD" wird gerne als "Trip der Sinnesorgane", als "Film über Rauschzustände" oder als "dreistündiger Gegenwartstraum" beschrieben. Im Film stellt Mettler allerdings eine ganz andere Frage: Wie kann man zeigen, was unsichtbar ist - jene Gefühle, von denen Alexander Kluge behauptet, sie wären überall, man sähe sie nur nicht. Der Vortrag folgt der These, dass der Eindruck, den "Gambling, Gods and LSD" hinterlässt, eng mit der Entscheidung zusammenhängt, die Unsichtbarkeit der Gefühle zu bewahren.


Vrääth Öhner, Film- und Medienwissenschaftler

Gambling, Gods and LSD (CH / CDN 2002, R: Peter Mettler) wird um 18.00 im AudiMax der TU-Wien gezeigt.

Mittwoch, 15. Dezember 2004, 19.00
Jura Soyfer
Zeitschriftenpräsentation

Die nach dem Schriftsteller Jura Soyfer benannte kulturwissenschaftliche Zeitschrift erscheint seit 1989, vierteljährlich erst seit 1992 in über 40 Ländern. Sie widmet sich einerseits dem Leben, Werk und der Rezeption von Soyfer, andererseits aber auch literarischen Entwicklungen und vor allem aktuellen gesellschaftlichen Problemen. Wie Jura Soyfer, der 1939 im Alter von 27 Jahren im KZ Buchenwald verstarb, geht sie von einer widersprüchlichen Welt aus ("voll Hunger und voll Brot ist diese Erde") und macht Vorschläge zu ihrer Transformation. Im Zentrum der Dezemberausgabe stehen "Gestaltende Frauen", Beiträge und Dokumentationsgespräche zur Rolle der Frauen auf allen Kontinenten.

Herbert Arlt, Redakteur

Dienstag, 14. Dezember 2004, 19.00
Im Netz der Soziokultur
Projektpräsentation

Kunst als Instrument von Stadtentwicklung im gesellschaftlichen und kommunalen Kontext ist längst ein europäisches Thema. Seit 1992 existiert das Projekt Association Banlieues d´Europe, das sich, unterstützt vom Europarat, als Netzwerk von ExpertInnen aus Kultur, Kunst, Forschung und Verwaltung versteht. Für und mit den PartnerInnen des Netzwerkes, die im soziokulturellen Bereich arbeiten, veranstaltet Banlieues d´Europe jährliche Konferenzen, bietet Workshops, Trainings und Präsentationsmöglichkeiten für europäische Kulturprojekte, die sich vor allem sozial engagieren, und fungiert als Informations- und Beratungsstelle.

Jean Hurstel, Gründer von Banlieues d´Europe, Strasbourg

Freitag, 10. Dezember 2004, 19.00
Steht die Bewegung
Workshop

Die Entwicklung der Globalisierungsbewegung, wie sie sich selbst seit einiger Zeit unter Verzicht auf das Präfix "Anti" nennt, wird unter einem Blickpunkt diskutiert, der bislang übersehen oder ausgeblendet wurde. Der Frage nämlich, welchen Beitrag die Bewegung zur Demokratisierung leisten will und kann. Dahinter steht die These, dass die "Altermondialistes" vor allem als radikale Demokratisierungsbewegung zu interpretieren sind und sich vom Revolutions- Paradigma früherer Befreiungsbewegungen verabschiedet haben.

10.30 - 13.00: Repräsentationen der neuen Protest-Bewegungen

Darstellungsstrategien der globalisierungskritischen Bewegungen Dario Azzelini, Politologe und Filmemacher, Berlin

Was ist neu an den globalen Protestbewegungen? Achim Brunnengräber, Sozialwissenschaftler, Berlin

Protestformationen aus Sicht der Cultural Studies Sylvia Riedmann, Soziologin, Innsbruck

Moderation: Rupert Weinzierl

15.00 - 18.00: Politische Inhalte und Strategien der neuen Bewegungen

Die Rehabilitation von Protest und anti-neoliberale Strategien der Bewegungen Ulrich Brand, Politikwissenschaftler, Kassel

Demokratietheoretische Perspektiven auf die Bewegungen Joachim Hirsch, Professor für Gesellschaftsanalyse, Frankfurt a. M.

Globalisierungskritik und Kritik an der Bewegung aus feministischer Perspektive Stefanie Kron, Journalistin, Politik- und Medienwissenschaftlerin, Berlin

Radikale Demokratie und neue Protest-Bewegungen Oliver Marchart, Philosoph und politischer Theoretiker, Wien

Moderation: Karin Harrasser

19.30: Filmpräsentation: Venezuela von unten (Oliver Ressler / Dario Azzellini 2004)

Anschließende Diskussion zum Film mit
Gustavo Marquez-Marin, Botschafter der Republik Venezuela in Österreich
Ulrich Brand, Politikwissenschaftler, Kassel
Nicole Scheyerer, Der Falter
Jens Kastner, Journalist und Soziologe, Münster

In Kooperation mit dem Forschungsprojekt "New urban protest formations and their democratization potentials".

Donnerstag, 09. Dezember 2004, 19.00
Probebühne Europa
Europäische Kultur in Nachbarländern

Das Interesse der Europäischen Union an der Entwicklung neuer Theaterkunst wird von vielen Theaterschaffenden in den Mitgliedsländern als nicht ausreichend beschrieben. Neues, experimentelles Theater dürfe nicht den Gesetzen des Marktes unterworfen werden, es müsse von den Staaten, aber auch von der Europäischen Gemeinschaft gefördert werden. Der junge ungarische Regisseur Árpád Schilling, Gründer des Budapester Krétakör Theaters, das von renommierten Häusern und Festivals in ganz Europa eingeladen wird (sein Dostojewski-Projekt hat im Frühjahr 2005 am Burgtheater Premiere und im selben Jahr gastiert es bei den Wiener Festwochen), könnte mit seinen „europäischen“ Erfolgen eigentlich zufrieden sein. Doch die Situation für die junge Theaterszene in seinem eigenen Land ist für ihn - mit und ohne EU - unerfreulich.

Árpád Schilling, Regisseur und Gründer des Krétakör Theaters, Budapest

Dienstag, 07. Dezember 2004, 19.00
Der österreichische Zeichentrickfilm
Diplomarbeit

Bereits 1892 entstand in Frankreich der erste Zeichentrickfilm. Als filmische Gattung ging er dem Realfilm voraus, geriet aber mit dessen Einführung in Vergessenheit und wurde erst ein Jahrzehnt später in den USA "neu erfunden". Sein Publikum fand der Zeichentrickfilm nicht nur unter Kindern und Jugendlichen - dies schon allein deshalb, weil er sich zum einen aus der bildenden Kunst, zum anderen aus dem Genre der Karikatur speist. Publikationen zum österreichischen Zeichentrickfilm fehlen weitgehend. Dabei spielte er eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Entwicklung des künstlerischen Filmes, vor allem des Puppentrick- und des Werbefilms.

Sylvia Winkelmayer: Der österreichische Zeichentrickfilm in der Stummfilmzeit. Diplomarbeit, Uni-Wien 2004

Donnerstag, 02. Dezember 2004, 19.00
Einst YU jetzt EU
Europäische Kultur in Nachbarländern

Slowenien, schon zu Titos Zeiten die wohlhabendste Republik im damaligen Jugoslawien, gilt als Musterschüler der neuen EUBeitrittsländer. Rastko Mo_nik, Kultursoziologe, Philosoph und Kämpfer für die Festigung der BürgerInnengesellschaft, hat sich nicht nur als linker EU-Kritiker international einen Namen gemacht. Er gehört auch zu der wenig beliebten Minderheit in Slowenien, die der Abspaltung seines Heimatlandes von Jugoslawien kritisch gegenüberstand: Slowenien habe sich in Jugoslawien auf der Gewinnerseite befunden, während es in der EU auf die Verliererstraße geraten werde - so seine Warnung vor dem EU-Beitritt. Wie sieht er die Lage heute, ein halbes Jahr nach dem EU-Beitritt Sloweniens?

Rastko Monik, Professor für Philosophie an der Universität Ljubljana

Mittwoch, 01. Dezember 2004, 19.00
Frucade oder Eierlikör

Vor zehn Jahren, am 26. November 1994, war alles besser. Statt der müden TV-Talkshow mit Barbara Karlich zu Hause vor dem Fernsehgerät, gab es - spät abends und live im Globusverlag - die erste Nette Leit Show mit Hermes Phettberg. Es folgten 23 weitere Shows mit insgesamt 72 so unterschiedlichen Gästen wie Valie Export, Edith Klinger, Hermann Nitsch, Manfred Deix oder Marcel Prawy. Und jetzt, nach zehn Jahren, gibt es ein Gipfeltreffen zwischen Hermes Phettberg und dem Regisseur Kurt Palm. Zur Einstimmung werden Ausschnitte und Highlights aus vergangenen Tagen gezeigt. Wie beurteilen die beiden die Show im Rückblick, warum gibt es kein Comeback, wäre Ähnliches heute möglich?

Kurt Palm, Regisseur und Erfinder der Show
Hermes Phettberg, Künstler
Moderation: Wolfgang Kralicek, Kulturredakteur, Falter

Dienstag, 30. November 2004, 19.00
Wie könnte Bezirkskultur sein?

Bei der Bestandsaufnahme im Juni wurde ausführlich darüber gesprochen, was Bezirkskultur eigentlich ist, wie unterschiedlich die dafür zuständigen Kommissionsvorsitzenden ihre Aufgaben definieren und wie unterschiedlich die Höhe der Budgets je nach Bezirk ist. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Qualität einer Bezirkskultur vor allem von den eingereichten Vorschlägen abhängt. In einer zweiten Runde im Oktober stellten drei Kunst- und Kulturschaffende ihre Konzepte zur Verwendung der Bezirkskulturgelder vor, diese Diskussion wird nun mit weiteren Projektvorschlägen fortgesetzt. Sicher ist für die gewählten BezirksvertreterInnen im Publikum noch einmal die eine oder andere Anregung dabei.

Monika Piesch, Konzept zur Belebung urbanen Freiraums
Ula Schneider und Birgit Brodner, Soho in Ottakring
Uschi und Dieter Schreiber, Aktionsradius Augarten
Moderation: Christoph Widauer, Kulturvermittler

Montag, 29. November 2004, 19.00
Kunstausbildung
Vorstellung alternativer Modelle Teil II

Im zweiten Teil der Veranstaltung um das Dauerthema Reformen an österreichischen Kunstuniversitäten werden zwei Modelle vorgestellt, die Alternativen zum traditionellen Lehrbetrieb darstellen. An der wiener kunst schule, einer Aus- und Weiterbildungsstätte für bildende und angewandte Kunst, werden alle aufgenommen, die sich rechtzeitig anmelden - der fragwürdigen Beurteilung künstlerischer Begabung, wie an den Kunstuniversitäten üblich, müssen sich die Studienbeginner hier nicht unterziehen. Die Internationale Sommerakademie in Salzburg wiederum ist mit ihrem Zusammentreffen von Lehrenden und Studierenden für eine kurze, aber intensive Periode des Kunstschaffens ein Gegenmodell zur staatlichen Ausbildung mit ihrem trägen Lehrkörper. Wären gute Alternativen nicht ein Grund, über radikale Reformen nachzudenken?

Andrea Hubin, wiener kunst schule
Barbara Wally, Direktorin der Sommerakademie für Bildende Kunst, Salzburg
im Gespräch mit Eva Blimlinger, Universität für angewandte Kunst

Freitag, 26. November 2004, 19.00
Attac in Ungarn
Europäische Kultur in Nachbarländern

Die Kultur demokratischer Gesellschaften äußert sich weniger in der Anzahl von Opernhäusern und Kunstmuseen, sie definiert sich vielmehr über eine Vielfalt gesellschaftskritischer und politisch engagierter BürgerInnen und Organisationen. Das international agierende globalisierungskritische Netzwerk Attac wendet sich, unter anderem, gegen die Auswirkungen der weltweiten neoliberalen Entwicklung auf die soziale Sicherheit. Das Fazit von Attac Ungarn sieht da insbesondere die EU kritischer als erwartet: Kann diese EU, zumindest so wie sie sich zur Zeit entwickelt, zum Garanten für sozialen Frieden werden?

Matyas Benyik, Präsident von Attac Ungarn

Mittwoch, 24. November 2004, 19.00
Gemeinwesenarbeit
Buchpräsentation

Was eigentlich ist eine Gemeinwesenarbeit? Der Begriff kommt aus dem angelsächsischen Raum und steht für die bürgerliche Mitgestaltung in allen Lebensbereichen. Zunächst in Entwicklungsländern angewendet, wurde die Gemeinwesenarbeit bald in Europa übernommen und führte schließlich zu Impulsen auch für Österreich. Im vorgestellten Buch werden Modellprojekte der Bildungs-, Kulturund Sozialarbeit aus dem ländlichen Raum und aus Ballungszentren dargestellt. Die AutorInnen waren in die Projektarbeit selbst involviert und geben neben theoretischen Grundlagen authentische Erfahrungsberichte.

Anton Rohrmoser (Hg.): Gemeinwesenarbeit im ländlichen Raum. Zeitgeschichtliche und aktuelle Modelle aus den Bereichen Bildung, Kultur, Sozialarbeit und Regionalentwicklung. Innsbruck /Wien: Studienverlag 2004

Dienstag, 23. November 2004, 19.00
Kunst und Kulturpolitik in Slowenien
Europäische Kultur in Nachbarländern

Sloweniens Kunstszene zog schon lange vor dem EU-Beitritt die internationale Aufmerksamkeit auf sich. Mit IRWIN, Laibach, den Roten Piloten (heute Noordung) tourte die Neue Slowenische Kunst bereits in den 80ern durch Europa und spätestens seit der Manifesta 3 ist Ljubljana, mehr als andere Städte neuer EU-Mitgliedsländer, ein angesagter und hipper Ort für Kunstinteressierte. Und doch wird auf nationaler Ebene die Kulturpolitik als provinziell und wenig fundiert kritisiert. Was kann von der neuen, konservativen Regierung erwartet werden, was kann die Mitgliedschaft in der Europäischen Union bewirken? Welche Chancen und Probleme ergeben sich für die slowenische Kulturpolitik und Kunst?

Igor Zabel, Kurator, Museum of Modern Art, Ljubljana

Montag, 22. November 2004, 19.00
Der Schacht von Babel
Buchpräsentation

Die Übertragung sprachlicher Übersetzungen auf kulturelle Prozesse wird "kulturelle Übersetzung" genannt. Ihr Problem ist freilich, dass sich diese Transformation selbst nicht mehr ins Politische übersetzen lässt, weil nämlich die letzten Jahrzehnte Kultur als zentrale, lebensweltliche Kategorie hervorgebracht haben. Boris Buden, selbst Philosoph und Übersetzer, misstraut den scheinbar universalistisch einsetzbaren Kulturübersetzungen allemal, so wie er sprachlichen Gemeinschaftsbildungen misstraut.

Boris Buden, Autor, London
im Gespräch mit Gerald Raunig, Philosoph, Wien

Boris Buden: Der Schacht von Babel. Ist Kultur übersetzbar? Berlin: Kadmos 2004

Freitag, 19. November 2004, 19.00
Heiliger Hieronymus bitt' für uns
Europäische Kultur in Nachbarländern

"Europa sollte sich unter den Schutz des Heiligen Hieronymus stellen, Schutzpatron der Übersetzer und Dolmetscher; im Bereich Sprachen, der buchstäblich jedes Land angeht, hat Europa eine Gemeinschaftsaufgabe: dafür Sorge zu tragen, dass die europäische Gemeinschaft die Ausbildung von ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen sowie die Verbreitung von literarischen Texten mit Hilfe eines europäischen Fonds für Literaturübersetzungen fördert." Diese Forderung stellte der Dramaturg und Übersetzer Michel Bataillon beim Warschauer Herbst 2003 auf. Ist ihr die EU aber nachgekommen? Ursca P. Cerne, Übersetzerin von Texten H.C. Artmanns, Ilse Aichingers, Robert Schindels u.a., spricht über die Erwartungen des Literaturbetriebs, speziell der ÜbersetzerInnen, an die EU.

Ursca P. Cerne, Übersetzerin und Literaturkritikerin, Ljubljana

Die Reihe "Europäische Kultur in Nachbarländern" erfolgt in Kooperation mit dem Projekt Gemeinsam erweitern des ÖGB (www.gemeinsamerweitern.at).

Donnerstag, 18. November 2004, 19.00
Die Faszination neoliberaler Metaphern
Wie Bilder Meinung machen

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg war von steigenden Staatsquoten, der Entwicklung des Wohlfahrtsstaats, aber auch von einer vermehrten Bedeutung firmeninterner Planungsprozesse begleitet, die Begriffe wie "mixed economy" oder "soziale Marktwirtschaft" zu ökonomischen Leitbildern machten. Im Rahmen dieser Entwicklung gab es jedoch auch eine ideologische Trendumkehr, die eine Marktwirtschaft ohne Adjektive zum Maß aller Dinge erhob. Neoliberale Weltbilder haben in den letzten dreißig Jahren einen erstaunlichen Siegeszug erlebt. Ihr Erfolg mag komplexe historische und ideengeschichtliche Hintergründe haben, mitentscheidend waren aber auch jene faszinierenden und widersprüchlichen Bilder des Marktsystems, die nicht als Argumente fungierten, sondern zu seinen Koordinaten wurden.

Richard Sturn, Professor für Finanzwissenschaft und Forschungsdekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Graz

Mittwoch, 17. November 2004, 19.00
Wirtschaftskultur
Gespräch

Die Bedeutung von Wirtschaftssystemen für das menschliche Zusammenleben ist facettenreich und lässt sich nicht allein auf den Einfluss der Pole Freie Marktwirtschaft oder Sozialismus reduzieren. Umgekehrt haben auch Kultur, Werte und Glaubenshaltungen einen Einfluss auf das ökonomische Handeln. Wirtschaftssysteme lassen sich daher den Gesellschaften nicht einfach überstülpen. Der oft beschriebene Export des neoliberalen Modells, vor allem durch multinationale Konzerne, führt entweder zur völligen Veränderung lokaler Traditionen oder zu Abwehrreaktionen und Konflikten. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Neoliberalismus nicht die kulturellen Ressourcen zerstört, aus denen er sich speist. Das gibt Anlass, über eine Kultur des Wirtschaftens nachzudenken.

Ferdinand Lacina, Konsulent der BA-CA, Bundesminister für Finanzen a.D.
Corinna Milborn, Politologin mit Schwerpunkt Globalisierung
Moderation: Lydia Ninz, Wirtschaftsjournalistin

Dienstag, 16. November 2004, 19.00
Antworten auf den Kulturrelativismus
Diplomarbeit

Mathias Thaler unternimmt in seiner Diplomarbeit den Versuch, eine spezifische Kritik am Menschenrechtssystem eingehend zu analysieren: Was bedeutet es, wenn heutzutage behauptet wird, Menschenrechte seien bloß Ausdruck westlicher Kultur und Geistesgeschichte und könnten deswegen keinerlei Anspruch auf universelle Gültigkeit erheben? Dies führt den Autor weiter zu den möglichen Reaktionen auf die kulturrelativistische Infragestellung der Menschenrechte und zu einer generellen Problematik: Sind TheoretikerInnen in der Lage, den Kulturrelativismus zwar ernst zu nehmen, aber ihm dennoch etwas entgegenzuhalten?

Mathias Thaler: Antworten auf den Kulturrelativismus. Eine philosophische Untersuchung aktueller Debatten zur Universalität der Menschenrechte. Diplomarbeit, Uni-Wien 2003

Montag, 15. November 2004, 19.00
FM5
Zeitschriftenpräsentation

Das in Oberösterreich gegründete Freie Magazin FM5 hat einen neuen medialen Raum erschlossen: Seit Jänner 2003 etablierte sich diese Online-Plattform für Kunst und Jugendkultur in ihrer Form und Funktion als – gar nicht fauler – Kompromiss zwischen schnell zu aktualisierendem Online-Medium und fundiert recherchiertem Magazin. FM5 erscheint einmal im Monat unter www.fm5.at und wird laufend aktualisiert. In dem Magazin finden sich kritische Reportagen sowie Beiträge über Musik, Literatur, Kunst und Lifestyle. Neben journalistischen Artikeln bietet FM5 auch Raum für die Erstveröffentlichung von künstlerisch-literarischen Texten. Zudem wird zum zweiten Geburtstag von FM5 am 5. Jänner 2005 nolabel – eine innovative Plattform für KünstlerInnen im Musikbereich – gestartet. Dieses Projekt wird im Depot zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Martin Aschauer, Herausgeber

Freitag, 12. November 2004, 19.00
Gender Screaming
Riot Grrrls, Subkulturen und Popmusik

1991 erschien Judith Butlers „Gender Trouble“. Zeitgleich formierten sich in Washington, im Umfeld von Punk und Grunge, auch jene Frauen- und Mädchenbands, die mit ihren Bühnenshows geschlechtlich bestimmte Identitäten und konventionelle Konzepte von Weiblichkeit lautstark in Frage stellten. Bands wie Bikini Kill, Bratmobile, Tribe 8, Team Dresch oder Sleater-Kinney dekonstruierten den traditionell codierten Blick, ihr Schreien im Stage-Act war als „Eskalation der Stimme“ (Sybille Krämer) dazu prädestiniert, Macht und Ohnmacht originär wahrzunehmen.

Ramón Reichert, Kultur- und Medientheoretiker, Kunstuniversität Linz

Donnerstag, 11. November 2004, 21.15
Die Macht der Gefühle
Film und Theorie

Im Gegensatz zu den sonst meist starken Frauen im Zentrum seiner Filme schickt Pedro Almodóvar in „Hable Con Ella“ die Balletttänzerin Alicia und die Stierkämpferin Lydia ins Koma. Durch diesen unglücklichen Umstand lernen sich die Lebenspartner der beiden Frauen, der Einzelgänger Benigno und der Journalist Marco, kennen. „Hable Con Ella“ erzählt die Liebesgeschichte von Paaren, die nicht zu ihrem Glück finden können. Der Film entwickelt eine Eigendynamik, in der sich Opfer- zu Täterrollen verkehren und Zärtlichkeit zur Besessenheit wird. Almodóvars ebenso kunstvoller wie rauer Umgang mit den Figuren und Geschlechterrollen hinterlässt Unbehagen. Offen bleibt auch, wieviel Raum dieses melodramatische Kunstwerk den BetrachterInnen für ein eigenes Urteil lässt. Philipp Penetzdorfer, Musiker und freier Journalist, Salzburg

Hable con Ella / Sprich mit ihr (Spanien 2002, R: Pedro Almodóvar) wird um 19.00 im AudiMax der TU-Wien gezeigt.

Die Reihe „Film und Theorie“ wird von Kurt Hofmann kuratiert

Mittwoch, 10. November 2004, 19.00
Regina Möller
Crossings

Die Künstlerin Regina Möller, deren Arbeiten bis 14. November in der Secession zu sehen sind, arbeitet im Grenzbereich von Kunst, Mode und Comic. Sie greift typische Formate und Medien gegenwärtiger Kommunikation auf und reflektiert deren identitätsstiftende Funktionen. So adaptiert und persifliert sie zum Beispiel in der „Frauenzeitschrift“ regina die charakteristische Sprache der Zeitschriften. Dabei unterminiert sie durch leichte Verschiebungen die sprachliche Konstruktion traditioneller Bilder von Frauen. Darüber hinaus entwirft Regina Möller unter dem Label embodiment Kleidung, Tapeten und Möbel, wobei sie die herkömmlichen Materialien mit ungewöhnlicher Bedeutung auflädt.

Regina Möller, Künstlerin, Berlin

Mittwoch, 10. November 2004, 19.00
Das Echo verhallt
Podiumsdiskussion

Seit zehn Jahren arbeitet der Integrationsverein Echo für Jugendliche der 2. und 3. Generation. Schwerpunkt waren dabei soziokulturelle Projekte und die Herausgabe einer Zeitschrift mit gesellschaftspolitischem Schwerpunkt (www.echo.non.at). Seit einiger Zeit strukturiert die Stadt Wien ihre Jugendarbeit unter dem neuen Motto „Diversität“ um. Im Zuge dessen sollte das eigenständige Zeitschriftenprojekt mit drei Mitarbeiterinnen dem Trägerverein ICE-Vienna angegliedert werden. Da jedoch die Verhandlungen mit der Gemeinde gescheitert sind, droht Echo nun das Aus. Was ist der Sinn einer Umstrukturierung, wenn dabei ein Vorzeigeprojekt wie Echo auf der Strecke bleibt? Oder ist die Arbeit von Echo tatsächlich nicht mehr zeitgemäß und bedarfsorientiert?

Elke Bitter, Obfrau des Vereins Echo
Josef Hollos, Landesjugendreferent, MA 13
Jasmina Marinkovic, Mitarbeiterin der Zeitschrift Echo
Bernhard Perchinig, ÖAW, Co-Autor der Studie Migration, Integration, Diversitätspolitik
Moderation: Hikmet Kayahan, Migrationsexperte

Freitag, 05. November 2004, 19.00
City Views
Projektpräsentation und Diskussion

Gemeinsam mit MigrantInnen hat Martin Krenn eine urbane Kartografie als Foto- und Textcollage erstellt, die im eben erschienenen Band „City Views“ der Reihe republicart dokumentiert ist. Die prozessuale Recherche konfliktbeladener Zonen in Wien, Graz, Warszawa, Ljubljana, Brest, Helsingborg, London und Newcastle lenkt den Blick auf Orte der Macht, aber auch des Widerstands und der Selbstbehauptung, die wesentliche Perspektiven der Mehrheitsgesellschaft immer wieder subvertieren. Mit der Arbeit verbunden ist eine generelle Diskussion zur Politik dokumentarischer Fotografie, zu Strategien migrantischer Selbstrepräsentation und zu Möglichkeiten der Zusammenarbeit von KünstlerInnen und MigrantInnen bei der Konstruktion alternativer Perspektiven.

Petja Dimitrova, Künstlerin
Christian Kravagna, Kunsttheoretiker
Martin Krenn, Künstler
Moderation: Therese Kaufmann, eipcp

Martin Krenn: City Views. Ein Fotoprojekt mit migrantischen Perspektiven. republicart, Bd. 3. Wien: Turia + Kant 2004

Freitag, 29. Oktober 2004, 19.00
Ambivalenter Feminismus in der Türkei
Diplomarbeit

Die Erlangung gleicher politischer Rechte hat der türkischen Frau den Weg zur erwünschten Emanzipation nicht freigemacht. Symbole, Sprache und Rituale reproduzieren die soziale Wirklichkeit jenseits der Normen des modernen Staates. Die Identität des türkischen Mannes zum Beispiel konstruiert sich über das Verhältnis zu den Frauen. Diese Konstruktion erfolgt über traditionelle kulturelle Praktiken und begründet damit „seine“ soziale Macht. Ehrkonzepte stabilisieren diese Dominanz zusätzlich und schaffen so eine Geschlechterordnung als selbstregulierendes System.

Jale Akcil: Ambivalenter Feminismus – eine Analyse am Beispiel der türkischen Frauenbewegung. Diplomarbeit, Uni-Wien 2003

Donnerstag, 28. Oktober 2004, 19.00
Vermittlungsprobleme der Handlungskunst
Vortrag

Gegen Ende des letzten Jahrhunderts entstanden Kunstformen, die sich der Produktion von Kunstobjekten verweigerten und statt dessen Handlungen im sozialen oder politischen Raum setzten. Im Kunstdiskurs werden diese Handlungen manchmal auch als Vermittlungskunst bezeichnet. Diese Bezeichnung allerdings ist irreführend. Eine Kunst, die nicht auf die Produktion von Objekten ausgerichtet ist, entzieht sich ja automatisch den herkömmlichen Methoden der Präsentation und Vermittlung. Andere Formen müssten der Handlungskunst eine Verbreitung sichern und ihr so eine eigene, zusätzliche Qualität geben: Vermittlungs­formen, die sich vielleicht aus den vergessenen Prinzipien der „Avantgarde“ speisen.

Ian Holtmann, no room gallery, Hamburg

Mittwoch, 27. Oktober 2004, 19.00
Wie viele Werbeflächen braucht die Stadt?
Podium

Wien wird immer mehr zu einer einzigen bunten Plakatwand. Scheinbar leidet die Stadt unter einem Horror vacui. Freie und leere Flächen werden dem Geschäft geopfert, und wenn es keine mehr gibt, werden einfach neue geschaffen. Wie etwa mit den Rolling Boards entlang der Straße oder mit den Infoscreens in den U-Bahnhöfen. Immerhin bringen diese neu bespielten Flächen nicht wenig Geld in die Stadtkassen. Aber beeinflussen sie nicht auch das ästhetische Bild der Stadt und darüber hinaus das Lebensgefühl der BewohnerInnen?

Rudolf Schicker, Planungsstadtrat der Stadt Wien
Erich Bernard, Architekt
Rainer Maderthaner, Professor am Institut für Psychologie, Uni-Wien
Martin Ross, Philosoph, Institut für Informationsdesign, FH Joanneum Graz
Ute Woltron, Architekturkritikerin

Dienstag, 26. Oktober 2004, 19.00
Unsere gemeinsame Kultur...
10 Jahre Depot

Thomas Macho
Franz Schuh

Dienstag, 26. Oktober 2004, 19.00
Unsere gemeinsame Kultur...
10 Jahre Depot

Vorträge von Thomas Macho und Franz Schuh (Ankündigungstext siehe 15. September)

Montag, 25. Oktober 2004, 19.00
Wie Bilder Meinung machen
Von der Kunst der Übertreibung

Fast wöchentlich versorgen uns die Medien mit Hiobsbotschaften zur dramatischen Veränderung unserer Umwelt und den daraus abgeleiteten düsteren Prognosen: neue Eiszeiten, sterbende Wälder, der Kollaps von Ökosystemen. Nicht immer allerdings entsprechen die Schreckensmeldungen den tatsächlichen Forschungsergebnissen. Das Projekt Gloria beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Erderwärmung auf die Flora des Hochgebirges. Dabei stellt sich heraus, dass in der Tat zwischen dem, was Gloria publiziert hat, und dem, was durch die Medien in der breiteren Öffentlichkeit daraus geworden ist, haushohe Berge existieren.

Daniela Hohenwallner, Klimafolgenforscherin, Uni-Wien
Harald Pauli, Klimafolgenforscher, Uni-Wien

Mittwoch, 20. Oktober 2004, 19.00
Gibt es eine kulturelle Neutralität?
Podium

2004 erscheint die Weihnachtsmarke der britischen Post erstmals ohne christliche Symbole. Schließlich ist Großbritannien eine multireligiöse Gesellschaft und der Staat möchte sich neutral verhalten. Kann er das auch gegenüber den Angehörigen verschiedener kultureller Gemeinschaften? Kommunitaristische Autoren wie Michael Walzer verneinen es und sind davon überzeugt, dass einzelne kulturelle Gemeinschaften notwendigerweise bevorzugt behandelt werden müssen. In der Tat tauchen im Detail problematische Felder auf: Soll die Helmpflicht für Motorradfahrer auch für Angehörige der Sikhs gelten? Muss sich das Familienrecht weiterhin am Modell der monogamen Ehe orientieren? Wie weit ist Neutralität also tatsächlich einlösbar?

Wolfgang Müller-Funk, Professor für German Cultural Studies, Uni Birmingham
Sabine Strasser, Kulturanthropologin, Uni-Wien
Moderation: Wolfgang Koch, Publizist, Wien

Dienstag, 19. Oktober 2004, 19.00
Europäische Kultur in Nachbarländern
Die neue Zivilgesellschaft

Spätestens seit der EU-Erweiterung im Mai boomen hierzulande Vorträge und Veröffentlichungen über jene Nachbarländer, die ehedem hinter dem Eisernen Vorhang waren. Wie aber sehen deren NPOs die Situation? Was die Staaten immer weniger und die Wirtschaft sowieso nie machen wollte, erledigen weltweit zunehmend NPOs. Die EU finanziert im Rahmen von Phare Stiftungen, die es sich zum Ziel setzen, die Zivilgesellschaft in ihren Ländern zu stärken und Verantwortung im sozialen und ökologischen Bereich zu übernehmen. 1993 wurde die Civil Society Development Foundation Prague gegründet. Diese Stiftung unterstützt NPOs, die sich für Minderheiten und benachteiligte Gruppen, für Menschenrechte und Demokratie einsetzen.

David Stulik, Civil Society Development Foundation NROS, Prag
Vortrag in englischer Sprache

In Kooperation mit dem ÖGB, Projekt „Gemeinsam erweitern“

Montag, 18. Oktober 2004, 19.00
Europäische Kultur in Nachbarländern
Prager Herbst in der Kunst?

Nach einem Artikel des Berliner Kunstmagazins u-Spot befindet sich der tschechische Kunstbetrieb in einer Situation „trostloser Gegenwart“. Es gibt Selbstzensur, und es fehlt an Infrastruktur. Der Artikel wurde von Jirí Ptácek geschrieben, dem Chefredakteur von Umelec International, deren deutsche Erstausgabe zum Jahreswechsel erscheint. Das tschechische Kunst- und Kulturmagazin widmet sich zeitgenössischer Kunst und Kultur mit dem Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa und bringt auch Beiträge, die in anderen Kunstmagazinen keinen Platz finden: über sibirischen Aktionismus, elektronische Musik in Südafrika, Wandbilder der Zapatisten oder rumänische Musikvideos.

Jirí Ptácek, Chefredakteur Umelec International, Prag
Vortrag in englischer Sprache

In Kooperation mit dem ÖGB, Projekt „Gemeinsam erweitern“

Freitag, 15. Oktober 2004, 19.00
Visionen zur Arbeit
Vortrag

Immer massiver leiden ArbeitnehmerInnen unter den jüngsten Entwicklungen der arbeitsteiligen Gesellschaft und des freien Marktes: Flexibilisierung, befristete Verträge, Lohndumping. Frithjof Bergmann denkt über Alternativen nach und entwickelt das Modell New Work. Es geht davon aus, dass sich die Menschen wieder vermehrt und so gut es eben geht, selbst versorgen müssten. Nicht im Sinne eines technischen Rückschritts. Im Gegenteil. Die neuen Technologien eröffnen zahllose Möglichkeiten, sie kreativ für sich selbst einzusetzen und den individuellen Bedürfnissen vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken. Eine selbstbestimmte Arbeit wappnet jedenfalls gegen viele Unannehmlichkeiten der – immer irgendwie auch notwendigen – fremdbestimmten Arbeit.

Frithjof Bergmann, Professor für Philosophie an der University of Michigan, USA

Donnerstag, 14. Oktober 2004, 19.00
Das literarische Queertett

Wer das Lexikon aufschlägt, liest unter dem Begriff queer: sonderbar, seltsam, wunderlich, komisch, homosexuell, eigenartig. Seit den 1980er Jahren jedenfalls hat queer weltweit Karriere gemacht und ist mittlerweile wohl nicht mehr aus der medial-kulturellen wie auch der politischen Praxis wegzudenken. Anhand von vier literarischen Werken wird in der Diskussion der Versuch unternommen, sich dem Thema zu nähern: Was, wie, wo sind queere Charaktere? Gibt es queere Sprache? Gibt es „das“ queere Buch?

Georg Brunner, Studierender der Soziologie und Philosophie an der Universität Wien
Susanne Hochreither, Institut für Germanistik, Uni-Wien
Karin Rick, Autorin
Gabriele Szekatsch, Kunstschule Wien

In Kooperation mit dem Referat für HomoBiTrans-Angelegenheiten der ÖH Wien

Montag, 11. Oktober 2004, 19.00
Wie könnte Bezirkskultur sein?

Bei einer Bestandsaufnahme im Juni wurde ausführlich darüber gesprochen, was Bezirkskultur eigentlich ist, wie unterschiedlich die dafür zuständigen Kommissionsvorsitzenden ihre Aufgaben definieren und dass die Höhe der Budgets je nach Bezirk zwischen 30.000 Euro und 300.000 Euro liegen kann. Dabei hat sich auch herausgestellt, dass die Qualität einer Bezirkskultur vor allem von den eingereichten Vorschlägen abhängt. Nun stellen drei Kunst- und Kulturschaffende ihre Konzepte zur Verwendung der Bezirkskulturgelder vor. Vielleicht ist für die gewählten BezirksvertreterInnen im Publikum die eine oder andere Anregung dabei.

Mark Gilbert, Hans Hinterholzer und Wolfgang Niederwieser, Architektur-Raum 5
Manuela Hötzl, Architekturkritikerin, Redaktionsbüro Ost
Andreas Kous und Berndt Anwander, St. Balbach Art Produktion
Moderation: Christopher Widauer, Kabinetttheater

Freitag, 08. Oktober 2004, 19.00
Crossings
Zur Schnittstelle von Kunst und Musik

Das Verhältnis von bildender Kunst zu Musik hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. In Kunstkreisen war in den Neunzigern ein verstärktes Interesse an Pop-Theorien zu beobachten und damit verbunden an der DJ-Culture. Diese Annäherung nur als Übernahme von populären Ausdrucksformen zu sehen, wäre allerdings verfehlt. Können KünstlerInnen grenzüberschreitend arbeiten, ohne sich für die Hintergründe der afro-amerikanischen Musik zu interessieren? Wo überhaupt ist die Schnittstelle von musikalischer und visueller Kunst? Woher rühren die unterschiedlichen Wertigkeiten von visueller und musikalischer Kunst hierzulande? Mit ihrer Arbeit als Künstlerin nimmt Ina Wudtke eine soziologische Perspektive ein, die einen Diskurs über die unterschiedlichen Kunstgattungen hinweg ermöglicht.

Vortrag von Ina Wudtke, Künstlerin, DJ, Editorin der Künstlerpublikation NEID

Donnerstag, 07. Oktober 2004, 19.00
Von der Romantik zur ästhetischen Religion
Buchpräsentation und Diskussion

Im Buch „Von der Romantik zur ästhetischen Religion“ geht es um die Verbindung von künstlerischer Avantgarde und totalitären Systemen. Diese Verbindung entspringt nach Ansicht der Herausgeber weder einem Opportunismus der Kunst noch ihrer Vereinnahmung durch die Politik. Vielmehr gab es im vernunftfeindlichen Irrationalismus, in gnostischen Denkstrukturen, in apokalyptischen Erlösungsphantasien und in der Vorstellung von der Schaffung eines neuen Menschen sowohl inhaltliche als auch methodische Übereinstimmungen zwischen den beiden Bereichen. Im Anschluss an die Präsentation spricht Michael Ley mit der Anthropologin und Kunsttheoretikerin über die Frage, ob sich kulturelle Leistungen nur in Kombination mit dem Genialen denken lassen.

Michael Ley, Leander Kaiser (Hg.): Von der Romantik zur ästhetischen Religion. Paderborn: Wilhelm Fink 2004
Elisabeth Samsonow, Professorin, Akademie für Bildende Kunst

Mittwoch, 06. Oktober 2004, 19.00
Kunsthochschulen und Universitäten anderswo
Vorstellung alternativer Modelle

Das Ringen um Reformen ist ein Dauerthema österreichischer Kunstuniversitäten und bietet Anlass, Modelle vorzustellen, die eine deutliche Alternative zum aktuellen Lehrbetrieb darstellen. In Amsterdam leben die Studierenden der Rijks Akademie zum Beispiel als Artists-in-Residence und sind in Forschungsprogramme eingebunden. Am Sandberg Institut wiederum gibt es keine Hierarchien im Lehrkörper: Gastdozenten, meist von den Studierenden vorgeschlagen, halten einmal die Woche ihre Vorträge. Auch die Internationale Sommerakademie in Salzburg ist mit ihrem Zusammentreffen von Lehrenden und Studierenden für eine kurze, aber intensive Periode des Kunstschaffens ein Gegenmodell zum trägen Lehrkörper der staatlichen Ausbildung. Wären gute Alternativen nicht ein Grund, über radikale Reformen nachzudenken?

Andrea Schneider, Absolventin der Merz Akademie, Stuttgart
Barbara Wally, Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst, Salzburg
im Gespräch mit Eva Blimlinger, Universität für angewandte Kunst, Wien

Dienstag, 05. Oktober 2004, 19.00
We beg to differ
Gespräch

Die Verknüpfung „Kunst und Psyche“ hat Tradition und treibt immer neue Formen hervor: von Affinitäten, die Kunstschaffenden und psychisch beeinträchtigten Menschen zugeschrieben werden (angeblich reagieren beide Gruppen sensibel auf gesellschaftliche Veränderungen), über eine wachsende Schar kunsttherapeutischer SozialarbeiterInnen bis hin zu marktetablierten Kunstinstitutionen, die auf Psychiatrie Bezug nehmen, oder neueren Kunstprojekten, die sich der Thematik kritisch-interventionistisch annehmen. Nicht zu vergessen die vielen „Schnittstellenprofis“, die sich ihrerseits allesamt durch Abgrenzung voneinander definieren. Eine fundierte Kategorisierung all der Aktivitäten in den Überschneidungs- und Mischbereichen allerdings fehlt bislang und wäre doch längst brauchbar.

Susanne Blaimschein, KunstRaum Goethestrasse, Linz
Katharina Lenz, freie Kunst- und Kulturschaffende, Linz
Weiterführende Arbeitstagung von 15. bis 17. Oktober in Linz (www.kunstraum.at).

Montag, 04. Oktober 2004, 19.00
Das Subjekt in der Postmoderne - ein Opfer seiner Umstände?
Diskussion

Ist der Handelnde nur als Opfer seiner Umstände zu verstehen? Mit dieser Annahme würde der Einzelne von vornherein für all sein Handeln entschuldigt werden. Die Diskussionsveranstaltung geht deshalb der Frage nach, wie das postmoderne Subjekt aus Sicht der strukturalen Psychoanalyse nach Slavoj Zizek konzipiert ist. In der Folge stellt sich die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen für sein Tun, nach der Schuldfähigkeit und nach dem Selbstverständnis heutiger Subjekte.

Impulsreferat von Peter Moeschl, Kulturtheoretiker, Primar der Rudolfstiftung
anschließende Diskussion mit Eva Waniek, Philosophin, IWK

Freitag, 01. Oktober 2004, 19.00
Europäische Kultur in Nachbarländern
Feminismus nebenan

Für den Westen schien die berufliche Gleichberechtigung der Frauen in den Ländern des ehemaligen Ostblocks vorbildhaft zu sein. Zumindest war sie in Ideologie und Verfassungen verankert. Allerdings stellt das Themenpapier der EU „Über die Rechte der Frauen in den EU Beitrittsländern“ für die Slowakei ein tief verwurzeltes, konservatives Bild der Geschlechterrollen fest. Die Frauen wurden wesentlich geringer entlohnt, waren sogar noch seltener Führungskräfte als im Westen und in der Politik so gut wie gar nicht vorhanden. Und bis 1993 fehlte in der öffentlichen Debatte der Begriff „Feminismus“ überhaupt. Dann wurde ASPEKT als erste feministische NGO gegründet. Sie brachte das bis dahin tabuisierte Thema Gewalt gegen Frauen in die slowakischen Medien, kämpft für Gleichberechtigung in Bildung, Politik und Kultur, veröffentlicht das gleichnamige feministische Kulturmagazin, veranstaltet Vorträge und Diskussionen.

Jana Cviková, Gründerin von ASPEKT Women’s Association, Bratislava

In Kooperation mit dem ÖGB, Projekt „Gemeinsam erweitern“

Donnerstag, 30. September 2004, 19.00
Fluxfilm - noch so eine Idee
Vortrag mit Filmausschnitten

Die Künstler der Fluxusbewegung in den 1960ern experimentierten mit vielen Techniken und Kunstformen. Sie entwickelten die Idee des Intermedialen, und das führte auch zu einer Reihe von Filmen, die George Maciunas – Promotor und zentrale Figur der Bewegung – als Anthologie zusammenfasste. Ihr Spektrum reicht von der Performance bis zu konzeptuellen Arbeiten. Viele Filme entwickelten sich aus den „Scores“, den Handlungsanweisungen, heraus, die für den frühen Fluxus charakteristisch waren. Kleine Loops im 8 mm-Format wurden übrigens auch als Multiples herausgegeben. Die Fluxfilme sind ein schönes Beispiel dafür, wie die „Fluxus-Maschinerie“ (Maciunas) funktionierte.

Peter Kloser, Kunsthistoriker

Mittwoch, 29. September 2004, 19.00
NU
Zeitschriftenpräsentation mit Zwiekommentar

Mittwoch, 29. September, 19.00
NU
Zeitschriftenpräsentation mit Zwiekommentar

Dienstag, 28. September 2004, 19.00
Crossings
Neue Kategorien der Kunst

Mit der Präsentation von Grenzüberschreitungen in der Kunst beginnt das Depot eine neue Serie. Ehemals distinkte Gattungen verschmelzen zu multi-medialen Hybriden und bilden ganz unterschiedliche Schnittstellen, Synergien und eine veränderte Ästhetik. Paul Divjak zum Beispiel hantiert wie selbstverständlich mit Musik, Film und Text und ist als Schöpfer abstrakter Videoclips und digitaler Installationen aber auch als Schriftsteller kein Unbekannter. Während nun aber die KünstlerInnen auf vielen Klaviaturen spielen gelernt haben, fehlen andererseits sowohl bei Zeitungen als auch bei Förderstellen die Kategorien für diese neuen Möglichkeiten des Kunstschaffens.

Paul Divjak, Künstler, Autor, Regisseur, Wien

Montag, 27. September 2004, 19.00
Europäische Kultur in Nachbarländern
Filmkur in der Slowakei

Spätestens seit der EU-Erweiterung im Mai boomen hierzulande Ausstellungen, Vorträge und Veröffentlichungen über jene Nachbarländer, die ehedem hinter dem Eisernen Vorhang waren. Wie aber sehen deren kulturelle Institutionen selbst die Situation: Was bringt und was nimmt ihnen die EU? 1993 erlangte die Slowakei ihre Unabhängigkeit und seit damals werden im slowakischen Kurort Trencianske Teplice Filme in den Kategorien Art Fiction, Art Documentary, Experimental Film und On the Road präsentiert und prämiert. In zehn Jahren konnte das Festival einen internationalen Ruf aufbauen und die Besucherzahl verhundertfachen. Was für Cannes die Goldene Palme oder für Venedig der Goldene Löwe, ist für Trencianske Teplice der Goldene Schlüssel.

Peter Hledik, Direktor artfilmfestival Trencianske Teplice
Vortrag in englischer Sprache

In Kooperation mit dem ÖGB, Projekt „Gemeinsam erweitern“

Freitag, 24. September 2004, 19.00
Wirtschaftskultur
Gespräch

Die Bedeutung von Wirtschaftssystemen für das menschliche Zusammenleben ist facettenreich und lässt sich nicht allein auf den Einfluss der Pole Freie Marktwirtschaft oder Sozialismus reduzieren. Umgekehrt haben auch Kultur, Werte und Glaubenshaltungen einen Einfluss auf das ökonomische Handeln. Wirtschaftssysteme lassen sich daher den Gesellschaften nicht einfach überstülpen. Der oft beschriebene Export des neoliberalen Modells, vor allem durch multinationale Konzerne, führt entweder zur völligen Veränderung lokaler Traditionen oder zu Abwehrreaktionen und Konflikten. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Neoliberalismus nicht die kulturellen Ressourcen zerstört, aus denen er sich speist. Das gibt Anlass über eine Kultur des Wirtschaftens nachzudenken.

Karin Küblböck, Obfrau von ATTAC Österreich
Rudolf Scholten, Generaldirektor der Österreichischen Kontrollbank
Moderation: Martin Rümmele, Redakteur, Wirtschaftsblatt

Donnerstag, 23. September 2004, 19.00
EU-Kulturförderungen: Kooperation als Allheilmittel?
Diplomarbeit

Die EU setzt in vielen Bereichen vermehrt auf Kooperation. Durch Zusammenarbeit werden Regionen wirtschaftlich und kulturell in Schwung gebracht, Grenzen werden aufgehoben oder zumindest durchlässiger. Welche Strategien setzt die EU ein, um eine „freiwillige“ Zusammenarbeit zu initiieren? Und ist sie damit tatsächlich erfolgreich? Für zukünftige Förderwerber drängt sich vor allem die Frage auf: Wie kommt man an die Gelder? EU-Förderungen im Überblick: Ein kleiner Wegweiser soll die ersten Schritte erleichtern.

Vera Hofbauer: Grenzüberschreitende Kooperation auf Basis von Interreg IIIA. Diplomarbeit, TU-Wien 2003

Donnerstag, 16. September 2004, 19.00
Unsere gemeinsame Kultur...
10 Jahre Depot

Robert Schindel
Antonio Fian
Petra Ganglbauer
Robert Menasse

2004
Unsere gemeinsame Kultur
10 Jahre Depot

Das Depot ist zehn Jahre alt. Am 15. September 1994 war die erste Veranstaltung. Schön. Zahlenmythologie allein war indes noch nie ein ausreichender Grund zum Feiern. Da muss noch was über den runden Geburtstag hinaus sein. Etwas, das die Bedeutung und Notwendigkeit der Institution im kulturellen Geschehen beweist. Etwas, das klar macht, was wäre, wenn das Depot nicht wäre, und dass es gut ist, dass dem nicht so ist.

Während sich das Land auf seine großen Feiern im kommenden Jahr vorbereitet (50 Jahre Staatsvertrag, 60 Jahre Kriegsende und Zweite Republik ...), während staatliche Institutionen allenthalben Identitätskampagnen ankurbeln und Parolen ausgeben, die uns eine gemeinsame nationale Kultur weismachen, als wäre Kultur etwas Nationales, macht das Depot eine kritische Veranstaltung dazu. Schließlich gibt es auch Menschen im Land, die das Wort „wir“ nur mit Vorsicht in den Mund nehmen. Sie sind sich der Gefahr bewusst, dass mit einer konstruierten Identität schnell auch Vereinnahmungen und Ausschlüsse einher gehen können und eine Loyalität in politischen oder ökonomischen Fragen wie selbstverständlich eingefordert wird, wo eigentlich gar keine ist. Das Depot lädt zehn AutorInnen ein, zum Thema „Unsere gemeinsame Kultur ...“ zu sprechen.

Mittwoch, 15. September 2004, 19.00
Unsere gemeinsame Kultur...
10 Jahre Depot

Christine Nöstlinger
Franzobel
Marlene Streeruwitz

Ab 18.00 Buffet mit dem Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny