Veranstaltungen

Samstag, 17. Dezember 2005, 19.00
Was bleibt vom Gedenkenjahr?
Buchpräsentation

Was bleibt, wenn alle Reden gehalten, alle Ausstellungen eröffnet und wieder geschlossen und die letzten Gedenkveranstaltungen beendet sind? Es bleiben die Texte, die im „Gedankenjahr 2005“ geschrieben wurden. Helene Maimann präsentiert eine Auswahl dieser Texte, die mittlerweile eine lebhafte, quer durch Österreich laufende Diskussion über die Zweite Republik und die vergangenen sechzig Jahre in Gang setzen konnten. Über die Schatten, die das NS-Regime bis heute wirft, über den Umgang der Republik mit diesem Erbe, den Staatsvertrag und den Sonderweg Österreichs in der Nachkriegsordnung bis hin zu aktuellen politischen Statements.

Helene Maimann: Was bleibt? Schreiben im Gedankenjahr. Wien: Czernin Verlag 2005

Samstag, 17. Dezember 2005, 21.00
Was bleibt vom Gedenkjahr?
Party

Der Zivilgesellschaft sei Dank und Party. Beinahe schon geschafft. Arbeit gab’s ja genug. Schließlich wollten heimatverliebte Nabelschauer eine Mythologie runder Geburtsjahre nutzen, um sich in Feierlaune gegenseitig auf Schulter und Schenkel zu klopfen. Nicht wenige haben mit Veranstaltungen einer Geschichtsaufarbeitung im Spektakelformat gegengesteuert oder verweigert. Sie waren sich der Gefahr bewusst, dass mit einer konstruierten nationalen Identität wie selbstverständlich auch gemeinsame Positionen zu politischen Fragen eingefordert werden können, wo keine sind und keine zu sein brauchen So. Bald ist es vorbei, das runde Trubeljahr. Grund genug fürs Depot, allen Dank zu sagen, die dazu beigetragen haben, dieses Jahr nicht ganz so peinlich werden zu lassen, wie es hätte sein können.

Freitag, 16. Dezember 2005, 19.00
Wissensbild - Theoriebild - Weltbild
Zur diagrammatischen Kunstgeschichte

Die moderne Kunst hat verschiedene Geschichten, denn sie konstituiert sich nicht nur nach der subjektiven Maßgabe derjenigen, die sie zeichnen, sondern auch nach den Gesichtspunkten, unter denen sie betrachtet wird. Dennoch erhoben HistorikerInnen, KünstlerInnen oder TheoretikerInnen mit der objektivierenden Darstellungsweise von Diagrammen den Anspruch, eine unvoreingenommene Gesamtschau der Kunstgeschichte zu leisten. In Wirklichkeit vermittelten sie aber nur verschiedene Sichtweisen. Anhand ausgewählter Schemata soll gezeigt werden, welche zum Teil fundamental entgegengesetzten Konzepte und Strategien hinter der historiographischen Diagrammatik stehen können.

Astrit Schmidt-Burkhardt, Bildhistorikerin

Montag, 12. Dezember 2005, 19.00
Folgerecht
Podiumsdiskussion

Noch vor dem 1. Jänner 2006 ist die EU-Richtlinie zum Folgerecht umzusetzen. Danach sollen erstmals auch in Österreich KünstlerInnen am Wiederverkauf ihrer Werke finanziell beteiligt werden. Jedes Mal, wenn auf dem Kunstmarkt Werke neuerlich verkauft werden, sollen auch die KünstlerInnen ein paar Prozent vom Erlös erhalten. Wie werden hierzulande die Spielräume der EU-Richtlinie genutzt und wer wird dabei profitieren? Werden durch eine Harmonisierung der Folgerechtsbestimmungen Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU abgebaut? Zentral ist letztlich auch die Frage nach einer effizienten Abgabeneinhebung, die vornehmlich von der Zusammenarbeit von Kunstmarkt und Verwertungsgesellschaft abhängen wird.

Ernst Hilger, Galerist
Daniela Koweindl, IG Bildende Kunst
Alfred Noll, Rechtsanwalt
Werner Rodlauer, Wirtschaftskammer Kunsthandel
Moderation: Barbara Petsch, die Presse

Montag, 12. Dezember 2005, 21.15
Wunderbare Jahre hinter Glas
Film & Theorie

Wong Kar-wais Film In the Mood for Love lässt sich als mikroskopische Analyse von Nostalgie bezeichnen. Anhand dieses gefühlsmächtigen Films stellt der Vortrag die Frage, wie sich Emotionen interkulturell übersetzen lassen, was Begriffe wie Nostalgie, Sehnsucht oder Melancholie in China einst bedeuteten und wie sich ihre Qualitäten durch das Eindringen des Westens verändert haben. Nach dieser Begriffsbestimmung und -verortung werden die spezifischen bildsprachlichen Mittel, die inszenatorischen Kniffe und die dramaturgischen Wendungen analysiert, durch die Wong Kar-wai diese Gefühlswelten sichtbar und spürbar macht.

Wolfgang Popp, freier Journalist und Filmemacher

In the Mood for Love (R: Wong Kar-wai, Hongkong 2000) wird um 19.00 im cinemagic, 1010 Wien, Friedrichstr. 4, gezeigt.

Samstag, 10. Dezember 2005, 10.00
Konturen einer Theorie der Inter-Medialität
Symposium

Seit der Verbreitung des Computers als Möglichkeit zur Integration traditioneller Medien befasst sich die Theorie mit jenem Zwischenraum, der die mediale Repräsentation von Daten, Bildern und Texten verändert. Die Verkreuzung der Medien auf der „digitalen Plattform“ führt nämlich zur Frage nach der Medialität der Einbildungskraft und der Wahrnehmung selbst. Das Symposium befasst sich mit drei großen Problemfeldern: Der Metaphorologie, die das instrumentelle Verständnis des Begriffs Medium problematisiert; der Frage, wie sich eine von Derrida, Lacan und Merleau-Ponty ausgehende Theorie der Bildlichkeit zum “pictorial turn” verhält, und einer Ästhetik der Fragmentierung, wie sie von der Performance-Kunst eröffnet wird.

 

09.00 Der Ort des „Dazwischen“: eine Theorie der Inter-Medialität
Georg Christoph Tholen, Basel

10.50 Medientheorie oder Kulturphilosophie?
Christian Bermes, Trier

11.30 Von der Notwendigkeit des Denkens, eine öffentliche Maske zu tragen, Arno Böhler, Wien

12.15–14.00: Mittagspause

14.00 Anrufung und Liebe – Zwischen Performativität und Begehren, Eva Waniek, Wien/Strassburg

14.40 Medium Schauspiel
Susanne Granzer, Wien

15.30 Performanz und Körperlichkeit in der analytischen Philosophie, Peter Kaiser, Wien

16.10 Kritik einer performativen Magie wissenschaftlichen Sprechens, Katja Mayer, Wien

In Kooperation mit der Wiener Gruppe Phänomenologie.
Konzept: Arno Böhler, Eva Waniek.

Dienstag, 06. Dezember 2005, 19.00
Hvala partizanke!
kinokis mikrokino #130

Die Geschichte des PartisanInnenkriegs war das zentrale Narrativ der jugoslawischen Nachkriegs-Filmproduktion. Nach einem kurzen Vortrag mit Filmausschnitten über das Genre des jugoslawischen PartisanInnenfilms wird Slavica gezeigt, der erste jugoslawische Spielfilm nach 1945. Slavica hat mit der Fischerei-Kooperative ein Fischerboot vor den italienischen Besatzern versteckt. Sie werden entdeckt und gefangen genommen, doch die PartisanInnen befreien sie. In der Folge nehmen sie an deren Aktionen teil. Vjekoslav Afrič drehte den Film mit bescheidenen Mitteln und fast ausschließlich mit LaiendarstellerInnen, die selbst bei den PartisanInnen gekämpft hatten.

Javol, Her Oberšturmbanfirer! Lichtbildervortrag der PartizanInnenFilmForschungsBrigade (Ljubomir Bratič, Sarah Galehr, Jasmina Jankovič, Nora Sternfeld).

Slavica (R: Vjekoslav Afrič, Jugoslawien 1947) 94 Min., OF mit dt. Live-Übersetzung (Jasmina Jankovič)

Freitag, 02. Dezember 2005, 19.00
Frauen handeln
Filmvorführung, Zeitschriftenpräsentation

2005 ist das internationale Jahr der Mikrokredite. Damit sind Kleinstkredite von meist unter 1000 Euro gemeint, die an kleine Gewerbetreibende überwiegend in Entwicklungsländern vergeben werden. Vornehmlich sind es Frauen aus dem Süden, die in solche Kleinkreditprogramme involviert sind. Während die neue Ausgabe der Zeitschrift „Frauensolidarität“ die Auswirkungen dieser Programme auf die Betroffenen erörtert, setzt sich der Film An Idea, a Future mit der Mikrofinanzierung in Nicaragua und dem Senegal auseinander.

Veronique Faber, Sozialanthropologin, Luxemburg
Helga Neumayer, Redakteurin Frauensolidarität

An Idea, a Future. Microfinance in Practice (Luxemburg 2005) 25 Min.

Dienstag, 29. November 2005, 19.00
Die Kommission II
Reihe Bioethik

In der zweiten Veranstaltung der neuen Reihe zur Bioethik soll auf die europäische Ebene der Bioethik-Debatte eingegangen werden: Welche Aufgaben hat beispielsweise der Lenkungsausschuss zur Bioethik des Europarates, und wie kann eine ethisch verantwortungsvolle Biopolitik länderübergreifend funktionieren? Außerdem soll der Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit nachgegangen werden: Wie kann Politikberatung durch die Wissenschaft heute funktionieren? Wie steht es um die Politisierung wissenschaftlicher Probleme? Welche Chancen haben partizipative Modelle in einem Gebiet, in dem es nicht nur um harte Fakten, sondern um moralische Werte geht?

Alexander Bogner, Soziologe, Institut für Technikfolgen-Abschätzung
Günter Virt, Moraltheologe, Lenkungsausschuss Bioethik des Europarates
Moderation: Klaus Taschwer, Wissenschaftsjournalist

Montag, 28. November 2005, 19.00
Transformationen gesellschaftlicher Erinnerung
Buchpräsentation

Während 2005 andernorts der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht wurde, hat Österreich im Staatsvertragsjubiläum seine Erfolgsgeschichte gefeiert. „Österreich ist frei“ wurde zum Vehikel für die Re-Inszenierung der Vorstellung, dass die „eigentliche“ Befreiung nicht 1945, sondern 1955 erfolgte. Ist die kritische Auseinandersetzung mit der österreichischen Vergangenheit 20 Jahre nach der Waldheim-Debatte verblasst? Wurden 2005 jene Nachkriegsmythen revitalisiert, die in anderen Ländern längst zerbrochen sind? Wie positioniert sich Österreich auf der „mental map“ eines europäischen Gedächtnisses?

Felicitas Heimann-Jelinek, Kuratorin
Oliver Marchart, Philosoph
Alexander Pollak, Sprachwissenschafter
Heidemarie Uhl, Historikerin
Moderation: Christian Gerbel, Historiker

Christian Gerbel, Manfred Lechner, Dagmar C.G. Lorenz, Oliver Marchart, Vrääth Öhner, Ines Steiner, Andrea Strutz, Heidemarie Uhl (Hg.): Transformationen gesellschaftlicher Erinnerung. Studien zur Gedächtnisgeschichte der Zweiten Republik. Wien: Turia+Kant 2005

Donnerstag, 24. November 2005, 19.00
Wer macht die Kunst?
Podium

Die neue Veranstaltungsreihe im Depot thematisiert die Spielregeln des Kunstsystems hinsichtlich der Genese neuer Tendenzen. In der zweiten Podiumsdiskussion soll der Blick auf die Kunstuniversitäten gerichtet werden. Durch die Bestellung von ProfessorInnen werden bestimmte Kunstrichtungen und -konzeptionen gefördert, andere in den Hintergrund gedrängt. Doch wer entscheidet darüber, welche Formen der künstlerisch-kulturellen Praxis zukunftsfähig sind? Wie gehen die Lehrenden damit um, dass von den AbsolventInnen in steigendem Ausmaß Marktkompatibilität gefordert wird? Und wie gestalten sie ihre Lehre, damit sie nicht bloß als Reproduktion der Sprache der Lehrenden funktioniert?

Gunter Damisch, Akademie der bildenden Künste
Gabriele Werner, Universität für angewandte Kunst
Moderation: Franziska Maderthaner, IG Bildende Kunst

Donnerstag, 17. November 2005, 19.00
Mythen privater Pensionsvorsorge
Podium

Seit Jahren wird uns erzählt, dass das öffentliche Pensionssystem vor dem Zusammenbruch stehe und private Vorsorge die einzige Rettung wäre. Was steckt an ökonomischen und politischen Überlegungen hinter dieser üblen Prophezeiung? Werden wir mit Hilfe privater Versicherungen tatsächlich so glücklich wie die Menschen aus den TV-Spots, die dafür werben? VertreterInnen des Beirats für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) liefern eine kritische Analyse der Bilder und Zahlen aus dem aktuellen Pensionsdiskurs.

Christine Mayrhuber, Ökonomin, BEIGEWUM
Vrääth Öhner, Filmwissenschafter
Vanessa Redak, Ökonomin, BEIGEWUM
Moderation: Werner Raza, Wirtschaftswissenschafter

Montag, 14. November 2005, 19.00
Eigene und andere Fremde
Buchpräsentation

Der europäische Kolonialismus hat zwei Seiten, eine innere und eine äußere. Die Außenseite ist die Geschichte einer von Anfang an blutig verlaufenen kolonialen Unterwerfung außereuropäischer Kulturen durch die europäischen Groß- und Mittelmächte der Neuzeit. Die andere Seite zu diesem Schauspiel liefert die Binnenkolonisation des Kontinents, die Beherrschung kleinerer und peripherer Kulturen durch größere. Bei dieser Thematik gilt es, die beiden großen innereuropäischen Figurationen des Anderen - den "wilden Osten" und den "zurückgebliebenen Süden" - miteinander verschränkt zu denken. Die "postkolonialen" Folgen innereuropäischer Hegemonialbeziehungen in Geschichte und Kultur zu dechiffrieren, heißt zugleich, die Postcolonial Studies mit anderen kulturwissenschaftlichen Forschungstraditionen in Beziehung zu setzen und neu zu positionieren.

Christina Lutter, Historikerin und Kulturwissenschaftlerin, bm:bwk
Wolfgang Müller-Funk, Literatur- und Kulturwissenschaftler, Universität Wien
Hannes Schweiger, Germanist und Literaturwissenschaftler, Universität Wien
Birgit Wagner, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Universität Wien
Daniel Winkler, Romanist und Filmwissenschaftler, Universität Wien

Wolfgang Müller-Funk, Birgit Wagner (Hg.): Eigene und andere Fremde. »Postkoloniale« Konflikte im europäischen Kontext. Wien: Turia+Kant 2005

Freitag, 11. November 2005, 21.15
Camp im Kino
Film & Theorie

Regisseur Wayne Kramer gibt in seinem Film The Cooler Wohleingeführtem eine neue Wendung: dem Genre des Melodrams, der Idee eines „Spielerparadieses“, dem Sprichwort vom „Glück im Spiel und Pech in der Liebe“. Er tut dies auf eine doppelbödige Weise, die über ironisch-postmodernes Collagieren hinaus in die als Camp bezeichnete Ästhetik hineinreicht. Camp ist ein Begriff, der – vor achtzig Jahren geprägt – in den sechziger Jahren von Susan Sontag in einem folgenreichen Essay umrissen wurde. Er beschreibt eine Art der ästhetischen Produktion und Rezeption, die gekennzeichnet ist durch Übertreibung, Stilisierung und Ironie, verbunden mit einem gewissen Pathos und der Aura von Kult und Theatralik.

Hans Christian Leitich, Filmredakteur

The Cooler (R: Wayne Kramer, USA 2003) wird um 19.00 im cinemagic, gezeigt.

Dienstag, 08. November 2005, 19.00
November
kinokis mikorkino #129

November ist ein feministischer Kung-Fu-Film, von Andrea Wolf und Hito Steyerl im Alter von 17 Jahren auf S-8 gedreht. Jetzt ist dieser Amateur-Trashfilm ein Dokument geworden. Denn 1998 wurde Wolf als kurdische Terroristin in Anatolien erschossen. Zuvor war sie in Deutschland gesucht worden, weil sie angeblich die Rote Armee Fraktion unterstützt hatte. René Viénets Zweckentfremdung eines chinesischen Faustkampffilmes wiederum ist eine Kritik am Scheitern des Sozialismus, worin die Kampfkünstler ideologische Rückschläge mit theoretischen Vorstößen nach Debord, Reich und anderen kontern. Viénet zielt auch auf den Mechanismus des Kinos und die Art, wie dieser der Ideologie dient.

November (R: Hito Steyerl, A/D 2004), engl. OF, 25 Min.
Can dialectics break bricks? (R: René Viénet & Gerard Cohen, F 1973), frz. OF mit engl. Untertiteln, 90 Min.

Im Anschluss an die Vorführungen: Gespräch mit Hito Steyerl, Filmemacherin.

Donnerstag, 27. Oktober 2005, 19.00
Phänomene der Migration
Podium

Die immer restriktiver werdenden Asylgesetze gehen nicht zuletzt auf das Unverständnis einer kurzsichtigen, populistischen und nationalen Interessen folgenden Politik zurück, die das Phänomen und die verschiedenen Ursachen von Migration offenbar wenig interessiert. Eines dieser Phänomene ist der globale Markt, der eine transkontinentale Migrationsdynamik mit verursacht. Zur Diskussion steht auch die Frage, welche Formen der Migration existieren.

Ljubomir Bratic, Philosoph
DiTutu Bukasa, Die Bunten
Stephan Jürgen Mertens, Rechtsanwalt
Terezija Stoisits, Migrationssprecherin, Die Grünen
Moderation: Werner Rotter, Menschenrechtskomitee Cheibane

In Kooperation mit Die Bunten

Dienstag, 25. Oktober 2005, 19.00
Niklas Luhmann und das Ende der Kunst
Diplomarbeit

Seiner Gesellschaftstheorie entsprechend erzählt Luhmann die Geschichte der bildenden Kunst. Das Kunstsystem wird zunehmend autonom und geht im Laufe der Neuzeit daran, sich Grenzen, Ziele und Mittel selbst zu setzen. In dem Maße, in dem sich die Selbst-Problematisierungen und Referenzen auf ihre eigene Geschichte verstärken, entfernt sich die Kunst auf Grund ihrer Autonomie jedoch von der ontologisch-theologischen Seite des Werkkonzepts, bei dem es immer auch um einen Bezug zur Fülle des Ganzen (des Lebens, der Gesellschaft) ging. Eine grundsätzliche Frage lautet, ob sich das Kunstsystem den verstärkten inneren Redundanzen, wie der Folge von Avantgarden, Neo-Avantgarden und deren Revisionen, gewachsen zeigt, oder ob es dabei ist, in den Dienst anderer gesellschaftlicher Funktionssysteme zu treten.

Markus Klammer: Niklas Luhman und das Ende der Kunst. Universität Wien, 2005

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 19.00
Die Kommission
Reihe Bioethik

Die Bioethik als eine der tiefgreifendsten Herausforderungen der Gegenwart wird in Österreich bisher leider nur punktuell diskutiert. Daher werden im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe sowohl grundlegende Fragen behandelt, als auch konkrete bioethische Probleme diskutiert. Im ersten Podiumsgespräch sollen die grundsätzlichen Aufgaben, die rechtlichen Bedingungen und die bisherige Arbeit der österreichischen Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt sowie die rechtsphilosophische und politische Dimension der Bioethikdebatte skizziert werden.

Robert Gmeiner, Jurist, Bioethikkommission
Gerhard Luf, Rechtsphilosoph, Bioethikkommission
Moderation: Birgit Dalheimer, Wissenschaftsjournalistin

Dienstag, 18. Oktober 2005, 19.00
Community TV
Programmpräsentation

Wenige Wochen vor Sendestart stellen die OrganisatorInnen von Community TV, quasi ein offener Fernsehkanal für Wien, das Programm der ersten Monate vor. Das Projekt wendet sich an Menschen, die in den Medien des ersten und zweiten Sektors marginalisiert sind. Es ermöglicht ihnen durch Schulungen und die Bereitstellung von Infrastruktur die Produktion eigener, selbstgewählter Programme und damit sowohl öffentliche Präsenz als auch Erfahrungen im Umgang mit der Publikation ihrer jeweiligen Anliegen. Das Programm soll als vielfältige Plattform für Information und Diskussion wahrgenommen werden.

Christian Jungwirth, Community TV Geschäftsführung
Barbara Eppensteiner, Community TV Programmintendanz
Robert Stachel, Community TV Programmplanung
Moderation: Eva Brunner-Szabo, Medienwerkstatt Wien

Montag, 17. Oktober 2005, 19.00
Wer macht die Kunst?
Podium

Welcher Kunst Relevanz zugeschrieben wird, hängt von vielen Faktoren ab und innerhalb des Kunstsystems sind verschiedene Player am Werk: KünstlerInnen, KuratorInnen, TheoretikerInnen, SammlerInnen, KritikerInnen und KunstvermittlerInnen beeinflussen auf jeweils spezifische Weise die Richtung, in die sich die Kunst entwickelt. In einer neuen Reihe soll der Frage nach Selbstverständnis und Selbstverortung der beteiligten Berufsgruppen in diesem Prozess nachgegangen werden. Wie sehen sie ihre jeweilige Funktion und ihren Einflussbereich?

Flora Neuwirth, Künstlerin
Sabine B. Vogel, Kunstkritikerin
Daniela Zyman, Kuratorin
Moderation: Andrea Hubin, basis wien

Freitag, 14. Oktober 2005, 19.00
Offen oder beschränkt?
Podium zur Unipolitik

Am 7. Juli hat der EuGH befunden, dass die österreichische Uni-Zugangsregelung für EU-Studierende diskriminierend und deshalb widerrechtlich sei. Seither wird befürchtet, deutsche „Numerus-Clausus-Flüchtlinge“ könnten den österreichischen Studierenden ihre Plätze wegnehmen. Vor allem für das Medizinstudium und traditionell überlaufene Studien wie Publizistik, Betriebswirtschaft und Psychologie werden Formen von Zugangsregelungen überlegt. Die Modelle hierfür reichen vom „propädeutischen ersten Semester“ über Knock-out-Aufnahmeprüfungen bis hin zum „First come, first serve“-Prinzip.

Judith Böhm, Vorsitzende ÖH Medizin
Gertrude Brinek, Wissenschaftssprecherin ÖVP
Kurt Grünewald, Wissenschaftssprecher Die Grünen
Rosa Nentwich-Bouchal, ÖH Vorsitzende
Moderation: Eva Blimlinger, Universität für angewandte Kunst

Donnerstag, 13. Oktober 2005, 19.00
Information ohne Gewähr?
Podium zu Nachrichtenagenturen

Nachdem die Macht- und Medienkonzentration innerhalb der letzten Jahrzehnte auch im Bereich der Nachrichtenagenturen gestiegen ist, stellt sich die Frage, welche Bedingungen notwendig wären, um die derzeitige Situation zu verändern. Neben dem Einfluss der Agenturen auf den Globalisierungsprozess wird auch über die Nebeneinkünfte von Nachrichtenagenturen in anderen Geschäftsfeldern gesprochen. Lassen sich objektive Berichterstattung und Content-Providing für Firmen oder Interessensgruppen vereinbaren?

Ambros Kindel, APA Austria Presse Agentur
Christian Gutlederer, Reuters Austria
Livia Klingl, Kurier
Rubina Möhring, Reporter ohne Grenzen
Federico Nier-Fischer, IPS Inter Press Service
Moderation: Martin Langeder, Student Publizistik Uni Wien

Dienstag, 11. Oktober 2005, 19.30
Globale Dialoge - Women on Air
CD-Präsentation und Lesung

Seit März 2005 arbeitet eine Gruppe von Radioredakteurinnen an Interviews, Features, Künstlerinnen- und Aktivistinnenporträts. Diese Audio-Beiträge zum Alltag und Kulturschaffen von Frauen aus dem Süden wurden nun von der Frauensolidarität und von Radio Orange 94,0 in einer CD-Edition herausgegeben. Etliche Hörbeiträge setzen sich mit den Millennium Development Goals der Vereinten Nationen auseinander. Die CD wird anhand einzelner Hörproben im Depot vorgestellt.

Sarita Jenamani, Autorin
Helga Neumayer, Redaktion Frauensolidarität
Margit Wolfsberger, Projektkoordination Globale Dialoge

Montag, 10. Oktober 2005, 19.00
Kunst und Öffentlichkeit
Bücherpräsentation und Party

Nach einem Begriffsboom in den 1980er und 1990er Jahren bleibt das Konzept der „Öffentlichkeit“ nach wie vor eine wichtige Bezugsebene emanzipatorischer Kunstpraxen, wird aber in politischen Diskursen zunehmend kritisch beleuchtet. Mit der Präsentation zweier Publikationen zu diesem Thema schließt das eipcp sein dreijähriges Projekt republicart ab und feiert zugleich den Start zweier neuer transnationaler Projekte mit den Titeln TRANSFORM und translate.

Simon Sheikh, Kunsttheoretiker und Kurator, Malmö/Berlin
Ulf Wuggenig, Soziologe, Lüneburg
Moderation: Hito Steyerl, Künstlerin und Theoretikerin, Berlin

Simon Sheikh (Hg.): In the Place of the Public Sphere. Berlin: b_books 2005
Gerald Raunig/Ulf Wuggenig (Hg.): Publicum. Theorien der Öffentlichkeit (=republicart 5). Wien: Turia+Kant 2005

Mittwoch, 05. Oktober 2005, 19.00
Kulturstadt Wien
Podium zur Gemeinderatswahl

Ist Wien anders oder ist es eine europäische Kulturstadt wie jede andere? Wenige Tage vor der Wahl zum Gemeinderat steht fest: Kultur spielt im Wahlkampf keine große Rolle. Das ist verständlich. Aber können die Kunst- und Kulturschaffenden der Stadt mit der Kulturpolitik zufrieden sein und was halten sie von den Forderungen der Oppositionsparteien? Gibt es überhaupt Kulturprogramme der Parteien für die nächsten fünf Jahre und welche Begriffe von Kultur werden damit bedient?

Thomas Jelinek, IG Kultur Wien
Daniela Koweindl, IG Bildende Kunst
im Gespräch mit
Marie Ringler, Kultursprecherin Die Grünen Wien
Gerhard Franz Roth, ÖVP
Ernst Woller, Kultursprecher SPÖ Wien

Dienstag, 04. Oktober 2005, 19.00
kinokis mikrokino
Filme und Diskussion mit dem Regisseur

Nachdem der Filmemacher Želimir Žilnik wegen Rani Radovi (Frühe Werke) in Jugoslawien in Ungnade gefallen war, drehte er seine Film in Westdeutschland. Öffentliche Hinrichtung montiert polizeiliches Dokumentationsmaterial und setzt sich mit der Eskalation von Gewalt am Beispiel einer RAF-Geiselnahme auseinander. In Paradies ist es die Konzernchefin selbst, die aus unternehmensstrategischen Gründen ihre Entführung durch eine anarchistische Gruppe inszeniert. Wegen dieser filmischen Parodie auf die Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz durch die Bewegung 2. Juni wurde Zˇilnik aus der BRD ausgewiesen.

Öffentliche Hinrichtung (BRD 1974), Buch und Regie: Želimir Žilnik, 13 Min.

Paradies – eine imperialistische Tragikomödie (BRD 1976), Buch und Regie: Želimir Žilnik, 65 Min.

Gespräch mit Želimir Žilnik

Eine neue Reihe zum politischen Film in Kooperation mit dem kinoki mikrokino.

Donnerstag, 29. September 2005, 19.00
Wissenschaft im Austausch
Vortrag

Um eine mysteriöse Krankheit, die bei den Miskitos und Mayangnas im Regenwald Nicaraguas anfallsartig und massenhaft auftrat, auf ihre sozialpsychologischen Bedingungen hin zu untersuchen, engagierte die Universität Uraccan die österreichische Sozialwissenschafterin Gerhild Trübswasser. Ziel dieses Projekts der Entwicklungszusammenarbeit war nicht zuletzt ein Wissenschaftstransfer. Im Zuge der Untersuchung konnte sich ein Team von einheimischen Fachleuten qualitative sozialwissenschaftliche Methoden aneignen. Die Forschungsarbeit wurde gemeinsam durchgeführt, was mit der reflexiven Nutzung des „europäischen“ und des „einheimischen“ Blicks völlig neue Erkenntnisse mit sich brachte.

Gerhild Trübswasser, helix Forschung und Beratung

Mittwoch, 28. September 2005, 19.00
Das Stadion
Buchpräsentation

Die mächtigen Betonovale sind Monumente der Moderne wie nur wenige andere Gebäudetypen. Stadien dienen als politisches Gefängnis und als architektonisches Kunstwerk. Sie sind Schauplatz massenkultureller Faszinationen und ökonomischer Interessen. Bevorstehende sportliche Großereignisse in Deutschland, Österreich und der Schweiz werfen die Frage nach den weit über den sportlichen Kontext hinausgehenden Funktionen von Stadien auf.

Bettina Kratzmüller, klassische Archäologin
Matthias Marschik, Kulturwissenschafter
Rudolf Müllner, Sportwissenschafter
Georg Spitaler, Politologe
Michael Zinganel, Architekturtheoretiker

Matthias Marschik, Rudolf Müllner, Georg Spitaler, Michael Zinganel (Hg.): Das Stadion. Geschichte, Architektur, Politik und Ökonomie. Wien: Turia+Kant 2005.

Donnerstag, 22. September 2005, 19.00
Medientechnik und Bildanalyse
Vortrag mit Podium

Visuelle Kompetenz ist nicht nur in der Kunst, sondern auch in anderen Bereichen erforderlich. In der Medizin etwa, wo der Einsatz von bildgebenden Verfahren unverzichtbar ist, oder in den Rechtswissenschaften, wo es um die Beweiskraft von Bilddokumenten geht. Das 2003 eingerichtete Zentrum für Bildwissenschaften der Donau-Universität Krems stellt seine Arbeit, speziell im Hinblick auf Möglichkeiten der Bildanalyse vor: Welche Erschließungsmechanismen gibt es für Bilder? Welche Kulturen des Blicks lassen sich ausmachen?

Frank Hartmann, Medienphilosoph
Barbara Kopf, Bildwissenschafterin, Donau-Universität Krems
Jeanna Nikolov-Ramírez, Bildwissenschafterin, Donau-Universität Krems

Mittwoch, 21. September 2005, 18.30
StaatsbürgerInnenschaft, wozu?
Gespräch

Die Bundesregierung hat ein Konzept für das neue Gesetz zur StaatsbürgerInnenschaft vorgelegt, das noch heuer beschlossen werden soll. ÖsterreicherIn zu werden, soll "Belohnung für einen erfolgreichen Prozess der Integration" sein. Aus diesem Anlass bittet SOS Mitmensch die beiden Politikwissenschafter Rainer Bauböck und Harald Waldrauch zum Informationsaustausch ins Depot. Wie ist die Situation in anderen europäischen Ländern und welche Modelle sind denkbar? Aber auch die Frage "StaatsbürgerInnenschaft, wozu?" ist erlaubt.

Rainer Bauböck, Politikwissenschafter
Harald Waldrauch, Migrationsforscher

Dienstag, 20. September 2005, 19.00
Geschichte der Gewalt
Buchpräsentation

Die „Geschichte der Gewalt“ ist der Einführungsband in eine fünfbändige Kriegskulturgeschichte der Neuzeit. In sieben Essays zeigt der Autor, wie unsere Kultur unausweichlich Gewalt stiftet und die destruktiven Möglichkeiten der Gesellschaft vermehrt. Unbeeindruckt von den Turbulenzen der Ideologien versucht das Buch ein paar hartnäckige Rätsel der politischen Theorie zu lösen. Koch plädiert für eine Pluralität der Ansätze, er diskutiert die These von der Ambiguität der Moderne, er fragt, ob das Links-Rechts-Schema ausgedient hat und untersucht einen bisher verschwiegenen Ursprung des Faschismus.

Wolfgang Koch: Geschichte der Gewalt. Das Unglück des 20. Jahrhunderts. Klagenfurt: Wieser Verlag 2005

Donnerstag, 15. September 2005, 19.00
Diese Revolution hat kein Gesicht
Diplomarbeit

Zum ersten Mal 1994 in Italien in den Medien aufgetreten, findet sich der multiple Name Luther Blissett in den darauf folgenden Jahren in verschiedenen Ländern wieder, sei es als Autorenname, als Unterzeichner und Initiator politischer Aktionen. Ein verbindendes Element dieser Aktionen ist eine umfassende Staats- und Gesellschaftskritik, die mit Methoden der Kommunikations- und Medienguerilla geführt wird. Ausgehend von den Programmen historischer Avantgardebewegungen wie der Situationistischen Internationale und dem Neoismus werden alle Menschen zu Künstlern erklärt, womit dem Geniebegriff eine Absage erteilt wird. Deshalb werden auch alle Werke von L.B. mit copyleft-Signaturen versehen und können frei aus dem Internet herunter geladen werden.

Dietmar Unterkofler: Diese Revolution hat kein Gesicht. Die Gesellschaftskritik in den Schriften und Aktionen von Luther Blissett und Wu-Ming im Kontext aktueller sozialer Bewegungen. Universität Wien, 2005

Montag, 12. September 2005, 19.00
Wissenschaft und Sicherheit
Projektpräsentation

Die „Lange Nacht der Forschung“ stellt als Teil des Vermittlungsprogramms X.PERIMENTA. am 1. Oktober 150 interdisziplinäre Forschungsergebnisse zum Thema „comprehensive security“ vor. Dass die öffentliche Darstellung von Wissenschaft einer gewissen Konjunktur unterliegt, verdankt sich nicht nur den von der Politik formulierten Lissabon-Zielen, die in der „Wissensgesellschaft“ den Schlüssel zu globaler Wettbewerbsfähigkeit sehen. Auch die Wissenschaftstheorie selbst fordert vermittelbare und leicht verständliche Forschungsergebnisse. Die Veranstaltung erörtert die neuen Arbeitsformen zwischen Universität, Forschungspolitik und Kulturindustrie am speziellen Fall der Sicherheitsforschung

Karin Harrasser, Kulturwissenschafterin, Science Communications
Sabine Maierhofer, Wissenschaftsvermittlerin
Moderation: Harald Katzmair, Sozialwissenschafter

Samstag, 10. September 2005, 11.00
"Alternative conceptions of democracy - a democratization impulse for the EU?"
Round-Table-Diskussion

Miguel Abensour, Jeremy Gilbert, Monika Mokre, Chantal Mouffe, Rado Riha, Alan Scott, Sabine Strasser, Jelica Sumic, Simon Turmey.

Freitag, 9.9.2005 / Samstag 10.9.2005
Deomcracy Beyond Democracy
Symposium

Die Demokratie ist heute unangefochten und scheint als Staatsform ihren Zenit erreicht zu haben. Gleichzeitig treten wir aber schon in ein post-demokratisches Zeitalter ein. Angesichts dieser Situation stellt sich die Aufgabe, nicht das Andere der Demokratie, sondern eine „andere“ Demokratie zu entwerfen. Das Symposium versucht, mögliche Konturen einer anderen Demokratie herauszuarbeiten: das „Einheitsdenken“ der neo-liberalen Post-Demokratie etwa oder die alternativen Konzepte der „radikalen und pluralen Demokratie“ (Mouffe) oder der „wilden Demokratie“ (Abensour).

Freitag, 9.September, 10.30
Which Radical Democracy?
10.30–11.30 Chantal Mouffe, London

Democratic Struggle in a Post-Democratic Age
11.30–12.15 Oliver Marchart, Wien/Basel
12.15–13.00 Michael Dillon, Lancaster

The Democracy of Protest
15.00–15.45 Jeremy Gilbert, London
15.45–16.30 Jelica Sumic, Ljubljana

17.00–17.45 Simon Tormey, Nottingham
17.45–18.30 Rado Riha, Ljubljana

Democracy Against the State – Of an Insurgeant Democracy
19.00–20.00 Miguel Abensour, Paris

Montag, 05. September 2005, 19.00
Kulturrisse
Blattkritik

1996 als kleines Service- und Diskursorgan der IG Kultur Österreich gegründet, hat sich die Zeitschrift Kulturrisse seither zu einer der prägnantesten kultur- und gesellschaftspolitischen Plattformen im deutschsprachigen Raum entwickelt. Sie erscheint vierteljährlich und die bisherigen drei Ausgaben dieses Jahres befassten sich mit Public Art Policies, dem EuroMayDay 2005 und politischem Anti-Antisemitismus.

Sylvia Köchl, MALMOE
Elke Krasny, Kulturtheoretikerin

Dienstag, 28. Juni 2005, 19.00
Zwischenbilanz und Gipfelsturm
Podium

Im Juli 2005 beim G8-Gipfel in Schottland und im September beim UNO-Gipfel in New York wird jedesmal Zwischenbilanz gezogen. Denn 2002 hat aus plötzlicher Sorge um den afrikanischen Kontinent die Gruppe der Acht den Afrika-Aktionsplan beschlossen und lässt sich nun von ihren Afrika-Beauftragten über die Ergebnisse des Plans berichten. Der UNO-Gipfel wiederum überprüft den Stand der vor fünf Jahren gefassten Millenniums-Entwicklungsziele zur Halbierung extremer Armut bis 2015. Es braucht keine Hellseher um vorherzusagen, dass die Ergebnisse mager und die Proteste der Gegenbewegung um so stärker ausfallen werden. Welche Ziele setzt sich die Gegenbewegung, mit welchen Mitteln könnten sie erreicht werden, und welche Rolle spielt die weltweite Kritik am Neoliberalismus in der Ausbildung an Wirtschaftsuniversitäten und in der Forschung?

Ingrid Kubin, Wirtschaftsuniversität Wien
Christian Felber, ATTAC
Elfriede Schachner, ArbeitsGemeinschaft EntwicklungsZusammenarbeit
Stephan Schulmeister, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Moderation: Ralf Leonhard, Vorsitz FIAN Österreich

Freitag, 24. Juni 2005, 19.00
Autorität und Autorenschaft in Ausstellung
Buchpräsentation

Sprache hat in Ausstellungen ihre spezifische Macht: Raumtexte, Objektbeschriftungen, Führungen und audiovisuelle Medien stellen jene Kontexte her, die die Thesen von Ausstellungen erst nachvollziehbar machen. Sie scheinen gültig, evident und wahr zu sein. Mit der Frage „Wer spricht?“ geht der Sammelband „Ausstellungstheorie & Praxis“ der Definitionsmacht in Ausstellungen auf den Grund und nimmt die darin impliziten Ausschlüsse in den Blick. Weitere Schwerpunkte widmen sich konkreten Vermittlungsprojekten sowie den Möglichkeiten und Grenzen einer emanzipatorischen Vermittlungspraxis.

Beatrice Jaschke, Charlotte Martinz-Turek, Nora Sternfeld, schnittpunkt

Beatrice Jaschke, Charlotte Martinz-Turek, Nora Sternfeld (Hg): Wer spricht?
Autorität und Autorschaft in Ausstellungen, Ausstellungstheorie & Praxis. Wien: Turia + Kant 2005

Mittwoch, 22. Juni 2005, 19.00
Der erweiterte Kulturbegriff
Gespräch

Einerseits reduziert sich die Vorstellung von Kultur sehr oft auf die Kunst und da wiederum speziell auf die „hohen“ Künste, andererseits wird genau diese Vorstellung von Kultur – oft ohne das zu reflektieren – dafür eingesetzt, bestimmte Machtinteressen und Ideologien zu unterstützen. Der Pressburger Philosoph Miroslav Marcelli möchte einen möglichst weiten Kulturbegriff und meint, dass die Reduktion der Kultur auf künstlerische Aktivitäten nicht zuletzt auch für die „freie“ Kunst nachteilig sein muss. Dabei beruft er sich vor allem auf den Diskurs der cultural studies in den letzten Jahren.

Miroslav Marcelli, Philosophische Fakultät der Comenius Universität, Bratislava
Stephan Teichgräber, Dokumentationsstelle ost- und mitteleuropäische Literatur

Dienstag, 21. Juni 2005, 19.00
EuroMayday 2005

Seit einigen Jahren wird in verschiedenen europäischen Städten der traditionelle ArbeiterInnenkampftag 1. Mai mit neuen Inhalten und Formen gefüllt. EuroMayday nennt sich der europaweite Prozess, dessen inhaltliche Klammer der Kampf gegen die gegenwärtige Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse ist. Heuer fand auch in Wien am 1. Mai eine EuroMayday-Parade statt, die versuchte, die klassischen Formate von Demonstrationen und Kundgebungen zu durchbrechen. Auf Basis von Bild- und Tondokumenten reflektiert die Veranstaltung diesen ersten Wiener EuroMayday und stellt Überlegungen zur Weiterentwicklung des Prozesses in den nächsten Jahren an.

www.euromayday.at

Montag, 20. Juni 2005, 19.00
Soziale Bewegungen in Lateinamerika
Buchpräsentation und Diskussion

Nach einer Phase relativer Stille unter der neoliberalen Hegemonie in den 1990er Jahren gewinnen die politischen Kämpfe in Lateinamerika seit einiger Zeit wieder weltweite Beachtung. Wird die Autonomieforderung im zapatistischen Aufstand vor allem mit der Erprobung neuer Politikformen verbunden, kämpfen soziale Bewegungen in Kolumbien oder Guatemala um ihr Überleben angesichts permanenter Bedrohung durch Militär und paramilitärische Gruppen. In Venezuela oder Brasilien hingegen sind die Bewegungen zum Teil eingebunden in die präsidialen Projekte der gesellschaftlichen Umgestaltung, während sich der Widerstand in Argentinien und Bolivien in der Absetzung der jeweiligen Präsidenten äußert.

Jens Kastner, Soziologe und Kunsthistoriker

Olaf Kaltmeier, Jens Kastner, Elisabeth Tuider (Hg.): Neoliberalismus – Autonomie – Widerstand. Soziale Bewegungen in Lateinamerika. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot 2004

Veranstaltung im Rahmen der eipcp-Reihe discursive lines

Freitag 17.6./Samstag 18.6.2005
Ereignis Derrida
Symposium

Knapp ein Jahr nach dem Tod des französischen Philosophen Jacques Derrida geht ein kleines Symposium der Vielfalt seines Denkens, seiner Relevanz für die Philosophie und für die angrenzenden Wissenschaften nach. Schließlich hat er wie kaum ein anderer Philosoph im 20. Jahrhundert das Geistesleben geprägt. In vier Sektionen referieren und diskutieren ExpertInnen über Derridas Philosophie und ihren Einfluss auf Politik, Psychoanalyse und Kunst.

Freitag, 17. Juni, 9.30

Eröffnung:
09.30 Erinnerungen an Derrida
Hugh Silverman, Stony Brook University, NY

Derrida und Philosophie(geschichte)
10.00 Derrida, ein quasi-transzendentaler Philosoph
Giovanni Leghissa, Universität Triest
11.00 Das Ereignis Derrida(s)
Peter Zeillinger, Universität Wien
12.00 Exemplarität bei Kant und Derrida
Othmar Kastner, Universität Wien
Moderation: Matthias Flatscher, Universität Wien

Derrida und Psychoanalyse
14.00 Derrida und die Klinik
Michael Turnheim, Wien/Paris
15.00 Archiv: Schmerz, Dokument. Skizzen zum Körper
(Lacan und Derrida)
Ulrike Kadi, Universität Wien
16.00 Kryptonymie: in den Namen verschrieben.
Derridas Lektüre der psychoanalytischen Arbeiten
von Nicolas Abraham und Maria Torok
Klaus Ebner, Augsburg
Moderation: Peter Zeillinger, Universität Wien
19.00 Derrida and Descartes. Thinking Beyond the Finite Closure.
Katherine Rudolph, Rhode Island College
Vortrag in englischer Sprache


Samstag, 18. Juni, 9.30

Derrida und Politik
09.30 Die Politiken Jacques Derridas
Thomas Frank, Universität Wien
10.30 La toucher, la communauté.
Porträt der Dekonstruktion als Sozialphilosophie
Artur Boelderl, KTU Linz
11.30 Die Unmöglichkeit der Politik. Derrida und Agamben.
Martin Weiß, Centro per le Scienze Religiose Trento
12.30 Performativität und Politik – Notizen zur amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung
Birgit Langenberger, New School University, New York
Moderation: Ludwig Nagl, Universität Wien

Derrida und Kunst
14.30 Derrida, das Hymen und das Lesen der Geschlechter-
differenz – eine postfeministische Perspektivierung mit
Bettine Menke und Judith Butler
Anna Babka, Universität Wien
15.30 ‘La imaginación es libre; el hombro no.’
Luis Buñuel im Gespräch mit Derrida
Monika Leisch-Kiesl, KTU Linz
Moderation: Wolfram Pichler, Universität Wien

16.30 Schlussdiskussion
Moderation: Hugh Silverman, Stony Brook University, NY

In Kooperation mit dem Interdisziplinären Forum .UND.

Mittwoch, 15. Juni 2005, 19.30
Amnestie und Boykott
Kulturpolitik der Nachkriegsjahre

Während kulturschaffenden Nazi-Sympathisanten durch maßgeschneiderte Amnestien ihr Berufsverbot nach dem Krieg bald wieder erlassen worden war, wurde der frisch eingebürgerte Brecht mit Boykott belegt. Eine bestimmte Kunst sollte aus ideologischen Gründen verhindert werden. Auch die Alliierten wussten die Macht der Kunst manipulativ einzusetzen, um die eigene Ideologie in ihrer jeweiligen Zone zu implementieren. Im Zuge des zunehmenden Konfliktes zwischen den Siegermächten kam es zu regelrechten Kulturmissionen. Welche Strategien der Instrumentalisierung von Theater, Film und Musik wurden im Österreich der Nachkriegszeit erprobt und welche Mechanismen der Kulturpolitik haben sich bewährt?

Kurt Palm, Autor und Regisseur
Manfred Permoser, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Oliver Rathkolb, Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft
Moderation: Sieglinde Rosenberger, Universität Wien

Dienstag, 14. Juni 2005, 19.00
Der 6te Sinn
Bezirkskultur

Das Projekt Der 6te Sinn führt Kunstschaffende, Sozialeinrichtungen, Gewerbetreibende und BewohnerInnen des 6. Bezirks zusammen, um ein gemeinsames Kulturprogramm zu entwickeln. Einander zugeloste Partnerschaften wurden aufgefordert, Ideen, Know-how, Räumlichkeiten oder andere Ressourcen auszutauschen und Projekte einzureichen. Im September 2005 werden die Ergebnisse des Vernetzungsprozesses in mehreren Veranstaltungen präsentiert und von einem Symposium in Kooperation mit den Partnerbezirken – den 6. Bezirken von Budapest und Prag – begleitet. Das gesamte Vorhaben wird von den Initiativen inhaltlich entwickelt, von der Bezirksvertretung finanziert und von der IG Kultur Wien koordiniert.

Peter Chlup, Bezirkskulturkommission Mariahilf
Cornelia Ehmayer, Stadtpsychologin
Thomas Jelinek, IG Kultur Wien
Franziska Maderthaner, Vertreterin der Projektinitiativen
Moderation: Roland Schöny, Wissenschaftszentrum Wien

www.der6tesinn.at

Donnerstag, 09. Juni 2005, 19.00
Der Auftrag
Kultur im Fernsehen

Die feierliche Rede vom „Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ steht auf tönernen Füßen, solange nicht klar ist, wie der Begriff Kultur verwendet wird. Und in der Tat erweist sich die Bedeutung dieses Wortes als so dehnbar, dass der Kulturauftrag immer erfüllt werden kann. Wer angesichts kommerzieller Konkurrenz belegen will, dass das Programm genügend Kultur enthält, weitet den Kulturbegriff aus und dann passen sogar seichte Unterhaltung und Sport hinein. Wer hingegen bei der etablierten Kunstelite punkten möchte, wird unter Kultur nur die traditionelle Kunst verstehen. Wie nun könnte ein öffentlicher Kulturauftrag sinnvoll eingegrenzt und genauer beschrieben werden?

Armin Conrad, Redaktionsleiter Kulturzeit, 3sat/ZDF
Margit Czöppan, Leitung TV-Kultur, ORF
Walter Famler, Wespennest
Moderation: Paul Jandl, NZZ

Mittwoch, 08. Juni 2005, 21.15
Erinnerung vergessen
Film & Theorie

„Der Name Lampe muss vergessen werden“, notierte Kant einmal, nachdem er seinen langjährigen Diener hatte entlassen müssen. Bewusst-vergessen-Wollen ist ein Vorhaben, an dessen Erfolg gezweifelt werden darf. Was aber, wenn technische Prothesen diesen Vorgang erleichtern könnten? Wenn es durch einen gesellschaftlich sanktionierten, psychohygienischen Vorgang möglich wäre, unliebsame Erinnerungen aus dem Gedächtnis zu verbannen? Dieses Gedankenexperiment unternimmt Michel Gondrys vielschichtiger Beziehungsthriller Eternal Sunshine of the Spotless Mind. Und setzt sich dabei wie vor ihm schon Blade Runner, Memento oder der soeben neu aufgelegte Manchurian Candidate mit der Manipulierbarkeit des menschlichen Gedächtnisses auseinander. Ein weiteres What-if-Szenario über die Bedeutung des Gedächtnisses im Zeitalter einer fetischisierten Erinnerungskultur.

Maya McKechneay, Filmkritikerin, sixpack film

The Eternal Sunshine of the Spotless Mind (R: Michel Gondry, USA 2004) wird um 19.00 im cinemagic, 1010, Friedrichstr. 4, gezeigt.

Dienstag, 07. Juni 2005, 19.30
Zur Rezeption afrikanischer Filme in Europa
Vortrag

In Denko (1992), Mohamed Camaras erstem Kurzfilm, schläft eine Mutter mit ihrem blinden Sohn, um den Fluch zu brechen, der auf ihm liegt, und gibt ihm dadurch das Augenlicht wieder. Camara bekam zu hören, wie raffiniert er die Moral von Sophokles’ Ödipus umgedreht habe. Die Kritik versucht aber nur zu sehen, was sie schon kennt. Eine andere geläufige Reaktion auf den afrikanischen Film folgt dem Tenor „unbedeutend – aber sympathisch“. Anzustreben wäre eine analytische Grenzziehung zwischen belanglosen Filmen und solchen, die nicht den in unserem Kino gängigen Normen entsprechen.

Helmut Groschup, Leiter des Internationalen Film Festivals Innsbruck

Von 10. bis 14. Juni werden in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Film Festival Innsbruck im cinemagic, 1010, Friedrichstr. 4, neue afrikanische Filme präsentiert.

Montag, 06. Juni 2005, 19.00
Alles anders
ÖH nach den Wahlen

Alles wird anders! Unter dieses Motto hat die Österreichische HochschülerInnenschaft die ersten Wahlen seit der – mehrheitlich von den Studierenden abgelehnten – Wahlrechtsreform der Regierung gestellt. Nach diesem neuen Wahlrecht dürfen Studierende nur mehr ihre Universitäts- und Studienvertretungen wählen. Die Bundesvertretung wird dann ihrerseits von diesen gewählten RepräsentantInnen nach einem komplizierten Schlüssel gewählt. Wie anders wird nun alles?

Barbara Blaha, VSStÖ
Doris Gusenbauer, GRAS
Christoph Marx, AG
Andreas Zahalka, FLÖ
Moderation: Eva Kuntschner, Radio Orange

Donnerstag, 02. Juni 2005, 19.00
Anleitung zur Praxis
KünstlerInnen-Karrieren

Auch KünstlerInnen leben nicht in einem Elfenbeinturm. Vielmehr müssen sie sich um eine Vielzahl an organisatorischen Dingen selber kümmern. Angelegenheiten wie Sozialversicherung und Steuern sowie rechtliche Belange wie z.B. Urheberrecht und Folgerecht sind daher relevante Themen für KünstlerInnen. Zu diesen drei Bereichen referieren ExpertInnen und beantworten im Anschluss daran fallspezifische Fragen.

Daniela Koweindl, IG Bildende Kunst
Martin Pichelhofer, RBG Steuerberatergruppe
Alfred Noll, Rechtsanwalt

Mittwoch, 01. Juni 2005, 19.00
Was ergibt Kultur mal Globalisierung
Diplomarbeit

In den letzten Jahren ist in österreichischen Wirtschaftskreisen das Schlagwort von der „interkulturellen Kompetenz“ Mode geworden und WirtschaftswissenschafterInnen bieten dazu haufenweise Kurse an. Was aber steht hinter diesem Begriff, und können die herangezogenen Konzepte vor sozialwissenschaftlicher Kritik bestehen? Eine Diplomarbeit, die gezeigt hat, wie unterschiedlich drei Wiener Universtitätsinstitute die Begriffe Kultur, Globalisierung und „interkulturelle Kompetenz“ verstehen, gibt darauf auf differenzierte Weise Antwort.

Maria Wiedermann: Kultur x Globalisierung = Interkulturelle Kompetenz (?),
Universität Wien, 2004

Freitag, 20. Mai 2005, 19.00
Kuschellesben
Podiumsdiskussion

Schwule werden in den Medien seit langem gern als bunte Einsprengsel einer ansonsten heteronormativen Kultur benutzt, mittlerweile gehören auch Lesben zum gängigen Motivrepertoire in Werbung, Soaps und Musikvideos. Diese Entwicklung ist jedoch nicht uneingeschränkt positiv zu beurteilen: Welches Bild von lesbischer Identität und Sexualität wird hier medial inszeniert und wie schlägt es sich in Vorurteilen nieder? Während schwule Sexualität weitgehend als solche inszeniert wird, dümpeln lesbische Frauen als eigentlich nicht ernst zu nehmende, temporär verwirrte Girlies dahin. Das sexuelle Potential lesbischer Frauen wird häufig auf ein Kuschelniveau reduziert. Dieses Repräsentationsmuster entspricht dem von heterosexuellen Frauen, welche dem – männlichen, heterosexuellen – Konsumenten so im Doppelpack geliefert werden.

Andrea B. Braidt, Filmwissenschafterin
Hanna Hacker, Soziologin, Universität Wien
Gudrun Hauer, HOSI-Aktivistin, Lambda-Nachrichten
Marcella Stecher, Filmwissenschafterin
Moderation: Nadja B. Schefzig, Autorin und Dramaturgin

Donnerstag, 19. Mai 2005, 19.00
Die Fellner-Brüder gründen eine Tageszeitung . . .

Im Rahmen eines Tutoriums am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft wurde der Frage nachgegangen, wie das Konzept der von den Brüdern Fellner geplanten Tageszeitung aussehen könnte. Wird es eine Qualitäts- oder eine Boulevardzeitung? Idealerweise fungieren Medien als „vierte Gewalt“ im Staat. Meinungs- und Pressevielfalt sind die Voraussetzungen, um dieser wichtigen gesellschaftlichen Funktion gerecht zu werden. Aber darf durch die nun bevorstehende Neugründung tatsächlich mehr Meinungspluralität und mehr Information erwartet werden? Oder werden andere, weniger finanzstarke Zeitungen verdrängt?

Harald Fidler, der Standard
Stefan Ossmann, Teilnehmer des Tutoriums, Universität Wien
Anneliese Rohrer, Journalistin, Lehrgangsleiterin FH Journalismus Wien
Moderation: Petra Herczeg, Universität Wien

Dienstag, 17. Mai 2005, 19.00
Junge Szene?
KünstlerInnen-Karrieren

Die „Junge Wiener Kunstszene“ wird dem Publikum auf unterschiedliche Weise näher gebracht: in Off-Räumen, Galerien und immer wieder in Ausstellungen wie „Lebt und arbeitet in Wien“ der Kunsthalle Wien. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das, was dort als junge Kunstszene präsentiert wird, tatsächlich den aktuellen und experimentellen Aspekten des Schaffens junger KünstlerInnen entspricht oder ob es sich nicht um ein Konstrukt der Institutionen handelt. Ein differenzierter Blick auf die Szene ist also angebracht, auch hinsichtlich der Frage, wie junge KünstlerInnen den Weg in Ausstellungen und somit in eine von der Öffentlichkeit wahrgenommene Szene finden.

Lucas Gehrmann, Kunsthalle Wien
Christian Höller, springerin
Jakob Lena Knebl, Auto
Moderation: Andrea Hubin, basis wien

Dienstag, 10. Mai 2005, 19.00
Das Gedächtnis der Republik
Filmvorführung und Diskussion

Die Austria Wochenschau existierte von 1949 bis 1982 und ist damit eine der bedeutendsten Nachrichtenschauen, die in den europäischen Kinos gelaufen ist. Doch nicht nur ihr umfassender Berichtszeitraum macht sie zu einem einzigartigen zeitgeschichtlichen Dokument: Keine andere filmische Quelle ist wie sie gleichermaßen journalistisch geprägter Ausdruck und historischer Beleg gesellschaftlicher Entwicklungen der Zweiten Republik. Nach Einstellung der Wochenschau hat das Filmarchiv Austria diese wichtigen Filmdokumente gesichert, bearbeitet und einer größeren interessierten Öffentlichkeit im Rahmen einer Edition wieder zugänglich gemacht. Die Veranstaltung führt anhand zahlreicher Filmbeispiele in die Geschichte der Wochenschau ein und stellt die notwendigen Arbeiten zur Erhaltung filmischer Quellen vor.

Thomas Ballhausen und Renate Maragh-Ablinger, Filmarchiv Austria

In Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria

Montag, 09. Mai 2005, 19.00
Raub und Rückgabe
Buchpräsentation

Die Historikerkommission hat ihre Arbeit beendet. Nun liegt ein 14.000 Seiten starker Endbericht vor, der sich zum einen mit dem Vermögensentzug im „Dritten Reich“, zum anderen mit der Rückstellungs- und Entschädigungspraxis der Zweiten Republik befasst. Der Mandelbaum Verlag arbeitet an der Vermittlung dieser komplexen Forschungsergebnisse und „Die Republik und das NS-Erbe“ ist der erste von fünf geplanten Bänden dazu. Lassen sich die Forschungsresultate vermitteln und politisch umsetzen?

Verena Pawlowsky und Harald Wendelin, Historikerkommission
Robert Streibel, Publizist, Volkshochschule Hietzing
Moderation: Eva Blimlinger, Historikerkommission

Verena Pawlowsky, Harald Wendelin (Hg.): Die Republik und das NS-Erbe. Wien: Mandelbaum Verlag 2005

Mittwoch, 04. Mai 2005, 20.00
Marshall Plan Movies
Filmvorführung und Vortrag

Für Österreich ist der Marshall Plan – auch nach seinem Auslaufen im Jahr 1952 – ein identitätsstiftendes Symbol. Dass er sich nachhaltig im kollektiven Gedächtnis verankern konnte, verdankt sich maßgeblich einer medialen Inszenierung. Da das Fernsehen in Europa damals noch keine wesentliche Rolle für die Lenkung der öffentlichen Meinung spielte, wurden so genannte „Marshall Plan Movies“ flächendeckend eingesetzt. Anhand von vier Filmbeispielen werden Strategien nationaler Inszenierung und reaktionärer Geschlechterpolitik untersucht.

Ramón Reichert, Institut für Medien, Kunstuniversität Linz

Wunden vernarben (A 1952) Der Film setzt sich mit der amerikanischen Wirtschaftshilfe und der kostenlosen Lieferung von Saatgut und Düngemitteln auseinander.

Die gute Ernte (A 1950) thematisiert die re-orientation der Landjugend durch die US-Amerikaner und informiert über die Bedeutung der Symbolik der ‘4-H-Clubs’.

Einfälle, die Arbeit sparen (USA 1950) Arbeitsstudienfilm über die Optimierung von Handarbeit im industriellen Prozess.

Jede Frau kann zaubern (D 1952) Dieser Film zielt erzieherisch auf eine Verhaltensänderung der Zuschauerinnen ab und propagiert ein wertkonservatives Frauenbild.

Dienstag, 03. Mai 2005, 19.00
Bildtheorie
Lesekreis

Mit den Ansätzen der phänomenologischen und semiologischen Bild- und Filmtheorien wurde der Grundstein gelegt für die Diskussionen der 1990er-Jahre um die ‘visual culture’ und den ‘iconic turn’. Seither entwickelt sich die Bildwissenschaft als Transdisziplin, die dem weiten Spektrum an Bildern Rechnung trägt, indem sie die Fragen der verschiedenen, an Bildern interessierten Disziplinen bündelt. Der Ansatz der Semiotik wird in diesem Wissenschaftsfeld zusehends kritisch beurteilt, was im Rahmen des Lesekreises anhand zentraler Texte diskutiert wird.

Ausgewählte Texte aus folgenden Publikationen werden gelesen und besprochen:
Gottfried Boehm (Hg.): Was ist ein Bild? München: Wilhelm Fink Verlag 1994
James Elkins: On Pictures and the Words that fail them. Cambridge: University Press 1998
Klaus Sachs-Hombach: Wege zur Bildwissenschaft. Köln: Halem 2004

Die Mastercopies liegen im Depot auf.

Weitere Termine: 18. Mai, 30. Mai, 13. Juni, 27. Juni, jeweils 19.00 Uhr.
Mittwoch, 4. Mai, 20.00

Montag, 02. Mai 2005, 19.00
Superwoman und Antiheld
Zur Lage des Comics

Österreichs ComicerInnen waren in den letzten Jahren nicht untätig. Für ihre künstlerischen Produkte entwickelten sie neue Distributionsformen und Netzwerke, initiierten Festivals oder Ausstellungen und der Diskurs blüht. Trotzdem sind Comics, auch weil die nötigen institutionellen Grundlagen fehlen, weiterhin ein Randphänomen. Deshalb haben kulturpolitische Anliegen wenig Öffentlichkeit. Wie stellt sich beispielsweise die Situation in Wien dar: Gibt es eine oder mehrere „Wiener Szenen“, und inwieweit bilden sich Synergien zwischen bereits arrivierten und jüngeren ZeichnerInnen?

Nina Dietrich, Mixer Comics
Roland Kofler, Murmel Comics
Gabriele Szekatsch, wiener kunst schule
Heinz Wolf, Kabinett für Wort und Bild
Moderation: Thomas Wolkinger, Mit-Initiator des Comic Festivals Graz

Montag, 25. April 2005, 19.00
Chancengleich?
Künstlerinnen-Karrieren

Für den Beruf „Künstlerin“ ist wie in vielen anderen Branchen die Chancengleichheit von Frauen und Männern noch nicht wirklich gegeben. Nach wie vor erzielen Werke von Künstlern am Kunstmarkt höhere Preise als die ihrer Kolleginnen, die meisten Lehrstühle an den Kunstuniversitäten und Akademien werden von Männern eingenommen und selbst den alten „Meisterinnen“ wird in kunsthistorischen Museen, Publikationen oder Sonderausstellungen kaum Platz eingeräumt. Was sind die spezifischen Gründe für die geringere Wertschätzung des Kunstschaffens von Frauen? Welche Strukturen sind dafür verantwortlich, dass Verbesserungen nur mühsam voran schreiten? Und welche Strategien gäbe es, diese zu beschleunigen?

Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Kunsthistorikerin
Marina Grzinic, Professorin, Akademie der bildenden Künste
Amina Handke, Künstlerin
Christine König, Galeristin
Moderation: Lisl Ponger, Künstlerin

Freitag, 22. April 2005, 19.00
Berichterstattung von unten
Medienkultur

Wer sein Wissen nur aus den Nachrichten der üblich verdächtigen Medien zieht, dem könnte es glatt passieren, niemals zu erfahren, dass es beispielsweise Neuseeland gibt. Oder eine Menge sozialer und politischer Ereignisse und Vorfälle, weltweit wie lokal. Berichte und Hintergrundinformationen, die ansonsten gerne unterdrückt werden, sind aber doch zugänglich, über das Internet und dank der Medien- oder NachrichtenaktivistInnen, die die Kunde von der Informationsgesellschaft beim Wort nehmen. Viele der unabhängigen Nachrichtendienste im Netz beruhen auf dem Open-Publishing Konzept, das jeder Person erlaubt, Beiträge zu veröffentlichen, die dann von den BetreiberInnen moderiert werden. Wie aber wird selektiert, wie wird mit unabsichtlichen oder sogar beabsichtigten Falschmeldungen umgegangen?

M. Kavon, Independent Media Center; vienna.indymedia.org
Lukas Pusch, KanalB; www.kanalb.at
Claudia Volgger, MedienUnabhängiger NachrichtenDienst; www.mund.at
Moderation: Martin Wassermair, Public Netbase

Mittwoch, 20. April 2005, 19.00
Wirtschaftskultur
Gespräch

Die Bedeutung von Wirtschaftssystemen für das menschliche Zusammenleben ist facettenreich und lässt sich nicht allein auf den Einfluss der Pole Freie Marktwirtschaft oder Sozialismus reduzieren. Umgekehrt haben auch Kultur, Werte und Glaubenshaltungen einen Einfluss auf das ökonomische Handeln. Wirtschaftssysteme lassen sich daher den Gesellschaften nicht einfach überstülpen. Der oft beschriebene Export des neoliberalen Modells führt entweder zur völligen Veränderung lokaler Traditionen oder zu Abwehrreaktionen und Konflikten. Es stellt sich die Frage, ob der Neoliberalismus nicht die kulturellen Ressourcen zerstört, aus denen er sich speist. Das gibt Anlass über eine Kultur des Wirtschaftens nachzudenken.

Bruno Rossmann, Arbeiterkammer Wien
Christine Mayrhuber, Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen
Moderation: Robert Kleedorfer, Wirtschaftsjournalist, Kurier

Freitag, 15. April 2005, 19.30
Venezuelas Wandel
Vortrag

Spätestens nach dem Scheitern des von den USA gestützten Putschversuches gegen Präsident Hugo Chavez im April 2002 hat das Modell Venezuela auch für andere lateinamerikanische Staaten an Attraktivität gewonnen. Dass die Verfassung Venezuelas erstmals allen BürgerInnen die sozialen Rechte garantiert, gleiche Bildungschancen ermöglicht werden sollen, eine Landreform ebenso geplant ist wie ein Privatisierungsverbot für die Schlüsselindustrien, wird in der gleichgeschalteten Einheitswelt nicht gerne gesehen. Unabsehbar sind freilich die Folgen für den Kontinent. In vielen lateinamerikanischen Ländern wurden bei Wahlen die KritikerInnen des Neoliberalismus gestärkt, in einigen (Brasilien, Uruguay) stellen sie bereits die Regierung. Ausgehend von dieser Entwicklung wird offenbar, dass Lateinamerika eine große Chance hat, sich zu einem Erdteil zu entwickeln, in dem Hoffnung wieder Fuß fassen kann.

Birgit Zehetmayer, Soziologin, Ludwig-Boltzmann Institute


Auftakt zur Filmschau Filmland Venezuela vom 14. bis 20. April im Cinemagic (ehem. Opernkino)

Dienstag, 12. April 2005, 19.00
MOMENT - Zeitung für Menschenrechte
Blattkritik

Gegen Rassismus und Diskriminierung, für Demokratie und Migration, so lautet das Selbstverständnis von MOMENT – der Zeitung für Menschenrechte, herausgegeben von SOS Mitmensch. Die Nullnummer mit dem Themenschwerpunkt Asyl gewährte vor allem Einblick in den Mikrokosmos von AsylwerberInnen in Österreich. Ab April 2005 berichtet die Zeitung nun viermal pro Jahr über den Umgang mit Menschenrechten und bietet eine öffentliche Plattform zur Diskussion der Ein- und Erhaltung von Grundrechten in diesem „schönen Land“.

Blattkritik: Florian Klenk, Falter
Philipp Sonderegger, SOS Mitmensch

Donnerstag, 07. April 2005, 19.00
Hausaufgaben gemacht
Bildungspolitik

Die Meinungen und Vorschläge der Parteien zum Thema Schul- und Bildungsreform sind in der Öffentlichkeit hinlänglich bekannt. Welche Konzepte die SchülerInnenvertretungen der entsprechenden Fraktionen verfolgen, kann nur vermutet werden. Gehen ihre Entwürfe für die Zukunft der Schule über die bekannten Forderungen hinaus? Worauf zielen die Reformideen der SchülerInnen, also jener, die direkt vom überkommenen Bildungssystem betroffen sind?

Selma Schmid, Aktion Kritischer SchülerInnen AKS
Jürgen Stöttinger, Schülerunion SU
Josi Ahnelt, Grüne, linke und alternative SchülerInnen GLAS
Moderation: Veronika Weidinger, FM4

Montag, 04. April 2005, 19.00
SOHO im Depot
Bezirkskultur

„Soho in Ottakring“ hat den diskursiven Raum living room-soho eingerichtet, der sich speziell um die Bildung von Allianzen zwischen Kunst und Antirassismus bemüht. In diesem Zusammenhang gibt es auch eine Projektschiene, die vom 21. Mai bis zum 4. Juni 2005 öffentlich präsentiert wird. Das gibt Gelegenheit zu einer ersten Zwischenbilanz: Welche Strukturen der Partizipation konnten schon und können noch entwickelt werden? Welche Strategien werden von den TeilnehmerInnen angewendet? Welche konkreten Handlungsansätze bilden sich heraus?

Ula Schneider, SOHO IN OTTAKRING
Edgar Lliuya, Werkstatt für Leistungsabbau
Harald Schmutzhard, no milk///no honey
Karel Young und Kerstin Kellermann, Kunstzeitschrift Art in Migration
Moderation: Lale Rodgarkia-Dara, Schriftstellerin, Journalistin

Freitag, 01. April 2005, 19.00
1. April 2000
Filmvorführung mit Diskussion

Noch nie wurde ein Spielfilm von der österreichischen Bundesregierung dermaßen unterstützt wie 1952 die als Science-Fiction-Kömodie stilisierte Österreich-Propaganda Wolfgang Liebeneiners „1. APRIL 2000“. Die Handlung ist im Jahr 2000 angesiedelt, in einer damals noch fernen Zukunft. Im immer noch von den „Besatzungsmächten“ kontrollierten Österreich verkündet ein neuer Ministerpräsident die Aberkennung des Viermächtestatuts. Österreich wird daraufhin des Weltfriedensbruches angeklagt und eine Delegation der „Weltschutzkommission“ landet mit einem Raumschiff in Wien, um den Regierungschef zur Verantwortung zu ziehen. Dieser nutzt die Gelegenheit, mittels einer schmeichelhaften Einführung in die österreichische Geschichte die Friedfertigkeit des Landes und die Liebenswürdigkeit der BewohnerInnen zu demonstrieren.

Thomas Ballhausen, Filmwissenschafter, Filmarchiv Austria
Armin Loacker, Filmhistoriker, Filmarchiv Austria

1. April 2000, A 1952, Regie: Wolfgang Liebeneiner

In Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria

Freitag, 18. März 2005, 19.00
Das Problem der Ausbildung
KünstlerInnen-Karrieren

Zwischen zwei- und dreihundert KünstlerInnen schließen jährlich an den österreichischen Akademien und Universitäten ihr Studium ab. Ob sie auch für die Berufswelt draußen ausgebildet werden, bleibt fraglich. Kritik an der mangelnden Vorbereitung im Rahmen des Studiums gibt es zwar schon lange, Veränderungen in den Studienplänen sind aber nicht augenscheinlich. Wo endet der Ausbildungsauftrag der Akademien und Universitäten und wo beginnt die Selbstverantwortung der Studierenden?

Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien
Eleni Kampuridis, ÖH an der Akademie der bildenden Künste Wien
Doris Krüger, Künstlerin, Stipendiatin des Absolventinnenprogramms „Premiere“
Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien
Moderation: Franziska Maderthaner, IG bildende Kunst

Donnerstag, 17. März 2005, 19.00
Fluc_2, Veranstaltungen unter Grund
Bezirkskultur

Das neue Fluc_2 am Praterstern in einer heruntergekommenen Fußgängerunterführung samt angrenzender, stillgelegter WC-Anlage soll ein Veranstaltungsort mit heterogenen Nutzungsmöglichkeiten werden. Als Entgegnung auf die zunehmende Ökonomisierung des städtischen Raumes versteht sich das Konzept des Fluc_2 als Plädoyer für eine Vielstimmigkeit, die nicht immer vorhersehbar und planbar ist. Was macht öffentliche Räume zu lebendigen sozialen Räumen? Entgegen den gewohnten und regulierten Flächen wie Kinderzonen, Hundezonen, Ballspielplätzen, Warteräumen und einer deklarierten, abgegrenzten Kunst im öffentlichen Raum erprobt das Fluc_2 ein Modell, das neue interventionistische künstlerische Praktiken ermöglicht.

Martin Wagner, fluc, [dy’na:mo]
Klaus Stattmann, Architekt
Alfred Pranzl, skug – Journal für Musik
Christa Benzer, springerin
Moderation: Oliver Schürer, Technische Universität Wien

 

Montag, 14. März 2005, 19.00
Bildtheorie
Lesekreis

Der Begriff des Bildes wird heute grundsätzlicher diskutiert als in der traditionellen Kunsttheorie, die das Bild nahezu mit Malerei gleichgesetzt hat. Seit den phänomenologischen und den semiologischen Bildtheorien der Siebziger, spätestens aber seit dem “iconic turn” in den Neunzigern wird genauer überlegt, was ein Bild als Bild überhaupt ist. Entsprechend haben sich in den letzten Jahren die Bildwissenschaften als neue Disziplin parallel zur Kunstgeschichte entwickelt.

Für diesen Termin ist ein Text von Meyer Shapiro zu lesen: On some problems in the semiotics of visual art: field and vehicle in image-signs (Semiotica 1, 1969).
Der Text liegt als Mastercopy im Depot auf.

Freitag, 11. März 2005, 19.00
Schulreförmchen
Bildungspolitik

Kann die Forderung nach Gesamt- und Ganztagsschulen wirklich alles sein, was dem Reformwillen nach PISA II zu entlocken ist? Schulen, in denen ganz- statt halbtags nicht gelernt wird, wie Probleme gelöst oder komplexe Zusammenhänge erkannt werden, und in denen weiterhin in den selben Fächern benotet wird, was den Generationen davor schon wenig zur Weisheit verholfen hat, können nicht der Bildung letzter Schluss ein. Und die Appelle aus Wirtschaft und Industrie, die für „mehr Leistungsorientierung“, „Bildung einer Task-force-Schule-Neu“ und „Hebung des Qualitätspotentials“ plädieren, können bestenfalls mit Themenverfehlung beurteilt werden. Gibt es radikalere Ideen, Vorschläge und Konzepte für eine grundlegende Bildungs- und Schulreform?

Erwin Niederwieser, Bildungssprecher SPÖ
Renate Chorherr, Leiterin des Wiener Lernzentrums Walz
Rupert Vierlinger, Pädagoge und Autor
Moderation: Margarethe Engelhardt-Krajanek, Ö1-Radiokolleg

Mittwoch, 09. März 2005, 19.00
Im Zentrum der Netze
Medienkultur

Seit dem Hype der 90er wird die Integration medialer und technischer Systeme in unserer Gesellschaft zunehmend selbstverständlich und mit der Netzkultur entstehen neue Vorstellungen von Gemeinschaft. Diesen Prozess zu fördern, ist ein zentraler Baustein moderner Kulturpolitik. Deshalb hat sich vor fünf Jahren die Stadt in den „Wiener Visionen 2010“ zum Ziel gesetzt, ein Zentrum der Netzkultur zu werden. Wie steht es nun zur Halbzeit um die konkrete Umsetzung politischer Bekenntnissse zur Förderung von Instituten und Projekten im Bereich Netzkultur?

Sybille Straubinger, Gemeinderätin, SPÖ Wien
Monika Mokre, Forschungsgesellschaft für kulturökonomische und
kulturpolitische Studien
Andreas Broeckmann, transmediale Berlin
Konrad Becker, Public Netbase
Moderation: Katharina Schell, APA Medienredaktion

Dienstag, 08. März 2005, 19.30
Trümmerfrauen?
Zum Internationalen Frauentag

2005 soll nicht nur an die Trümmerfrauen, sondern auch an die Errungenschaften und die Versäumnisse in der Frauenpolitik der Zweiten Republik erinnert werden. 1945 gab es mit Hella Postranecky die erste Staatssekretärin, 1966 mit Grete Rehor die erste Ministerin, heute wird die Hälfte der Ministerien von Frauen geführt und zwei Bundesländer von Landeshauptfrauen. In Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft ist aber die öffentliche Repräsentanz von Frauen nach wie vor marginal. In einer Studie der EU steht Österreich auf dem vorletzten Platz, was den Anteil der Frauen in der Forschung betrifft und im internationalen “Global Competitiveness Report 2004–2005” erreicht das Land bei der Einkommensgerechtigkeit für Frauen den 104. und letzten Rang.

Barbara Prammer, Zweite Nationalratspräsidentin
Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin, Technisches Museum Wien
Ursula Kubes-Hofmann, Geschäftsführerin, Rosa Mayreder College
Ruth Beckermann, Regisseurin
Moderation: Elke Ziegler, Journalistin, ORF-Science

Donnerstag, 03. März 2005, 19.00
Im Namen Gottes
Diplomarbeit

Machtpolitik wurde in der Geschichte immer wieder religiös begründet. Kaum eine historische Figur hat das so konsequent praktiziert wie Oliver Cromwell. Im Namen Gottes wollte er „England groß und seine Feinde zittern machen“. Den religiösen Hintergrund dafür fand er im protestantisch-manichäistischen Weltbild. Weil heute wieder Kriege mit religiösen Vorzeichen geführt werden, lohnt es sich, auf Cromwells Begründungen für seine Kriege einzugehen. Dabei werden Parallelen zur anglo- amerikanischen Politik ebenso wie deren Wurzeln deutlich.

Justinus Pieper: Oliver Cromwells Vorstellung und Rechtfertigung von Gewalt, Universität Göttingen, 2005

Mittwoch, 02. März 2005, 19.00
Lüge in der Wirtschaftspolitik
Buchpräsentation

Obwohl es alle angeht, überlassen in Sachen Wirtschaftspolitik viele Menschen das Feld lieber den Fachleuten. Anscheinend benötigen die Teilnahme an der öffentlichen Diskussion und mehr noch das wirtschaftspolitische Handeln zu viel grundlegendes Fachwissen. Wenn es in der Wirtschaft vorrangig um Macht, Ideologien und Interessen geht, dann ist für die demokratische Kontrolle jeder Wirtschaftspolitik die Unterscheidung von Fakten, Thesen und Mythen eminent wichtig. Nicht immer aber sind die eigentlichen ökonomischen Absichten hinter der Fassade zu erkennen.

Karen Imhof, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Karin Liebhart, Gesellschaft für Politische Aufklärung
Martin Schürz, BEIGEWUM

Peter Mooslechner, Helene Schuberth, Martin Schürz: Economic Policy under
Uncertainty. The Role of Truth and Accountability in Policy Advice. Cheltenham, Camberley, Northampton: Edward Elgar Press, 2005

Freitag, 25. Februar 2005, 19.00
precariat 2
Film und Diskussion

Die feministische Gruppe Precarias a la Deriva aus Madrid kämpft für die kollektive Schaffung alternativer Lebensentwürfe. Ihr Film A la deriva, por los circuitos de la precariedad femenina unternimmt einen Streifzug durch die verschiedenen Dimensionen prekärer Lebens- und Beschäftigungsverhältnisse von Frauen unterschiedlicher Herkunft. Die Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit eipcp im Rahmen des Projekts republicart, das sich mit Widerstandsformen gegen die fremdbestimmte Prekarisierung mit den Mitteln von Kunst und Aktivismus beschäftigt.

Cristina Vega und Maggie Smitt, Precarias a la Deriva, Madrid im Gespräch mit MAIZ
A la deriva, por los circuitos de la precariedad femenina (E 2003, ca. 45 Min., OmeU)

Donnerstag, 24. Februar 2005, 19.00
Angewandte Wissenschaft
Buchpräsentation

Seit 2002 geben Thomas Werner Duschlbauer und Peter Klimitsch eine Essayband-Reihe heraus, die sich der aktuellen multidisziplinären Auseinandersetzung von WissenschafterInnen mit Gegenwartsthemen widmet. In sprach.räume ging es nicht nur um eine Gegenüberstellung von Architektur und literarischen Bezügen, sondern auch um Interferenzen zwischen Raum und Identität. In leid.geprüft steht die Analyse einer Verzichtskultur in Gesellschaften des Wohlstands und des Überflusses im Mittelpunkt. In natur. ereignis, dem aktuellen Projekt, wird der Begriff der Idylle überprüft, auch mit Blick auf die „Idylle Österreich“. Die Herausgeber präsentieren das Konzept ihrer Reihe und berichten über ihre Erfahrungen mit der weltweiten Vernetzung von WissenschafterInnen.

Thomas Werner Duschlbauer/ Peter Klimitsch, Hg.: sprach.räume – Literatur findet Stadt/leid.geprüft – Beiträge zur gegenwärtigen Verzichtskultur. Linz: Edition Gruppe für angewandte Texte 2004

Montag, 21. Februar 2005, 19.00
Semiosen in Kultur, Sprache und Demokratie
Vier Gespräche

Seit November 2004 gibt es eine neue Adresse in der Grauzone zwischen Akademie, Markt und Straße: Semiosis – Arbeitsstelle für angewandte Semiotik. Dort wird in drei Bereichen gearbeitet: interkulturelles Verstehen; das Projekt einer Semiosis der Demokratie, das sich gegen Kristallisierungen der Macht wendet; und schließlich die komplexe, mehrdimensionale Einheit des Bild-Zeichens, in dem sich Bild-Codes mit Text-Codes und mit dem kulturellen Vorwissen der Sender und Empfänger überkreuzen.

Sebastian Reinfeldt, Gründer von Semiosis
Jeff Bernard, Österreichische Gesellschaft für Semiotik
Jeanna Nikolov-Ramirez Gaviria, Zentrum für Bildwissenschaft, Krems
Christa Salcher, Journalistin und DaF-Trainerin
Ramón Reichert, Kultur- und Medientheoretiker, Kunstuni Linz
Moderation: Barbara Gassner, Arge stadt

Freitag, 18. Februar 2005, 19.00
Kunst und Ich-AG
KünstlerInnenkarrieren

Von wirtschaftsliberaler Seite werden KünstlerInnen gerne als Vorzeigemodell bzw. als Vorbild für das Prinzip der Ich-AG betrachtet. Sie arbeiten ja als selbständige UnternehmerInnen, sämtliche Arbeits- und Absicherungsstrukturen werden in Eigenregie selbst organisiert, künstlerische Produktion wird oftmals durch einen Zweitberuf querfinanziert. Doch ist dieses von wirtschaftsliberaler Seite propagierte Bild der Kunstschaffenden nicht eher eine zynische Reinterpretation einer aus Not entstandenen Arbeitssituation? Wie sieht die reale Situation im Vergleich zu dem von der wirtschaftsliberalen Seite propagierten Bild aus? Handelt es sich um eine ungerechtfertigte Inanspruchnahme künstlerischer Freiheit? Darüber hinaus liegt die Vermutung nahe, dass die Beispiele aus der Kunst die Problematik des neoliberalen Modells der Ich-AG aufzeigen.

Linda Bilda, Künstlerin
Andrea Ellmeier, EU-Kulturprojekt-Expertin
Brigitte Kössner, Initiative Wirtschaft für Kunst
Gabriele Mackert, Kuratorin

Moderation: Rainer Metzger, Kunsthistoriker und Journalist

Montag, 14. Februar 2005, 19.00
Lesekreis

Siehe Ankündigung vom 10. Jänner.

Freitag, 04. Februar 2005, 19.00
Was wird aus der Bezirkskultur?

Bei der Bestandsaufnahme 2004 wurde ausführlich darüber gesprochen, was Bezirkskultur eigentlich ist, wie unterschiedlich die dafür zuständigen Kommissionsvorsitzenden ihre Aufgaben definieren und wie unterschiedlich die Höhe der Budgets je nach Bezirk ist. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Qualität einer Bezirkskultur vor allem von den eingereichten Vorschlägen abhängt. Nachdem Kunst- und Kulturschaffende verschiedene Konzepte zur Verwendung der Bezirkskulturgelder im Depot bereits vorgestellt haben, kommen diesmal die politisch Verantwortlichen zu Wort.

Susanne Reichard, Bezirksvorsteherin 4. Bezirk (VP)
Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher 7. Bezirk (Die Grünen)
Renate Angerer, Bezirksvorsteherin 11. Bezirk (SP)
Moderation: Christoph Widauer, Kulturvermittler

Donnerstag, 03. Februar 2005, 19.00
Koch und Messer im Bauch der Stadt
Alltagskultur

Wie kommen Suppenfleisch oder Erdäpfel auf unsere Teller? Und was sagt uns der Gemüsemarkt oder die Küche über Gesellschaft und Stadtleben? Die Globalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft haben Brot, Milch und Fleisch seit der Neuzeit gewaltig verändert und sind eng verknüpft mit der Kapitalkonzentration und mit der Entwicklung von Städten. In Kurzreferaten werden die sozialen Komponenten von Lebensmittelproduktion, Ernährung, Kochen und Abfallbeseitigung erläutert.

Hubert Christian Ehalt, Prof. für Wirtschaftsgeschichte, Wissenschaftsreferent Wien
Martina Kaller-Dietrich, Professorin für Neuere Geschichte, Uni-Wien
Rolf Schwendter, (Koch-)Buchautor, Devianz- und Subkultur-Forscher
Heinrich Wohlmeyer, Prof.em. für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Boku Wien
Helmut Weihsmann, Film- und Architekturhistoriker

Auftakt zur Filmschau Bauch der Stadt von 4. bis 8. Februar im Cinemagic (ehem. Opernkino)

Dienstag, 01. Februar 2005, 19.00
Politische Bildung zum Jubiläumsjahr
Zeitschriftenpräsentation

In Österreich häufen sich 2005 die Jahrestage zur Geschichte der Republik. Von offizieller Seite wird viel Jubel angekündigt, gleichzeitig mehren sich Stimmen, die eine kritische Aufarbeitung fordern. Wie bereiten sich SchülerInnen und LehrerInnen auf das Jubiläumsjahr vor? 2005 wurde noch dazu vom Europäischen Rat zum Jahr der Politischen Bildung ausgerufen. Die Informationen zur politischen Bildung werden vom Forum Politische Bildung im Auftrag des bm:bwk erstellt und allen Schulen Österreichs zugesandt. Das aktuelle Heft sammelt Texte und Lehranleitungen zum Gedenkjahr, die zu einer differenzierten Sichtweise auffordern.

Gertraud Diendorfer, Forum Politische Bildung
Heidemarie Uhl, Historikerin, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Herbert Pichler, Lehrer für Geographie und Wirtschaftskunde, SZ Ungargasse
Gerhard Tanzer, Lehrer für Geschichte und Politische Bildung, SZ Ungargasse

Frei – Souverän – Neutral – Europäisch. 1945 1955 1995 2005. Informationen zur Politischen Bildung, Band 22. Wien 2004

Freitag, 28. Januar 2005, 19.00
precariat 1
Film und Diskussion

Precarity ist die dritte Ausgabe des DVD-zines P2P Fightsharing und besteht aus 17 Videos, die Formen des Protests gegen Prekarisierungen dokumentieren. Von Fabrikbesetzungen in Argentinien über den Kampf koreanischer Telekom-ArbeiterInnen bis zur Verehrung des Heiligen Precarias in Mailand: “MayDay! MayDay! We are the precariat. We are hireable on demand, available on call, exploitable at will and fireable at whim. We have become skilful jugglers of jobs and contortionists of flexibility. But beware, we are agitating with a common strategy to share our flexfights.” Zusammengestellt wurde das Filmmaterial von einem Netzwerk aus MedienaktivistInnen, TechnikerInnen und ÜbersetzerInnen.

Lize De Clercq, Gianluca Saporito und Nicolas Denis, P2P Fightsharing, Rom, zeigen eine Auswahl aus Precarity (Rom 2004). In Kooperation mit eipcp/republicart.

Donnerstag, 27. Januar 2005, 19.00
Das Böse und die Selbstmordattentäter
Vortrag

Gut und Böse, die beiden zentralen ethischen Kategorien jeder monotheistischen Religion, halten sich hartnäckig, auch wenn seit dem 19. Jahrhundert Theoretiker wie Nietzsche und Freud diese Gegensätzlichkeit zu überwinden versuchten. Dualistische Traditionen müssen vor allem deshalb reflektiert und überwunden werden, da sie in zunehmenden Maße den politischen Gegenwartsdiskurs dominieren und eine allzu simple Einteilung der Welt begünstigen. Die vorgestellte Diplomarbeit untersucht die Kategorie des Bösen am Beispiel des Diskurses über Selbstmordattentäter.

Leyla Arzu Kececi, Philosophin, Kulturwissenschafterin

Mittwoch, 26. Januar 2005, 19.00
Ist KünstlerIn ein Beruf?
Diplomarbeit

Gelegentlich ist es schwierig, sich selbst „KünstlerIn“ zu nennen, weil das verstaubte Klischee vom autonomen Schöpfer, dem schaffenden “Natural Born Artist” noch immer das Leitbild der allermeisten KünstlerInnen zu sein scheint. Und warum kann diese Bezeichnung nicht aufgegeben werden? Das Kunstprojekt „Die Legende vom Künstler“ von Beatrix Zobl und Wolfgang Schneider schlägt vor, das Thema aus theoretischer Abgeklärtheit in eine emanzipativ verstandene Kunstpraxis zu überführen. Die Diplomarbeit zum Kunstprojekt: ein Nachschlag.

Wolfgang Schneider: KünstlerInnen-Bilder und KünstlerInnen-Begriff. Reflexion des
diskursiven Kunstprojekts „Die Legende vom Künstler“. Dipl.Arb., Uni-Wien 2004

Donnerstag, 20. Januar 2005, 19.00
Österreichische Kultur und Identität
Österreich und 2005

Das Jahr 2005 soll deutlicher als sonst in Erinnerung bringen, dass die ÖsterreicherInnen im Unterschied zu anderen Ländern an einem großen Strome leben, dass sie Dome bauen, große Söhne haben und für das Schöne begnadet sind. Welche Rolle spielt die Kultur bei der Konstruktion von nationaler Identität? Womit repräsentiert sich Österreich im Ausland? Während staatliche Institutionen allenthalben Identitätsprogramme ankurbeln, die uns eine gemeinsame nationale Kultur glaubhaft machen sollen, setzt das Depot seine kritische Reihe zum „Jubiläumsjahr“ fort.

Sylvia Riedmann, Soziologin, Universität Innsbruck
Emil Brix, Leiter der Kulturpolitischen Sektion im BM für Auswärtige Angelegenheiten
Moderation: Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung

Mittwoch, 19. Januar 2005, 19.00
Analysen zur Arbeitslosigkeit

Monatlich werden Daten zu Arbeitslosigkeit und Beschäftigung veröffentlicht. Die mediale Inszenierung und die anschließenden politischen Kommentare tragen zu einem arbeitsmarktpolitischen Diskurs bei, der sich in groben Schuldzuweisungen erschöpft. Die vorgestellte Analyse vergleicht die mediale Produktion statistischer Beschreibungen von Arbeitslosigkeit in Deutschland, Österreich und Portugal und stellt die Frage: Wie kommt es dazu, dass sich die europäischen Gesellschaften über Ausmaß und Veränderung der Arbeitslosigkeit täuschen lassen?

episteme. Kooperative für Forschung und Intervention:
Heide Hammer, Sabine Sölkner, Günter Hefler und Karoline Rumpfhuber

Dienstag, 18. Januar 2005, 19.00
Kunst und Nebenberufe
KünstlerInnenkarrieren

Viele KünstlerInnen gehen neben ihrer künstlerischen Tätigkeit noch einem anderen Beruf nach. So sehr sich diese Zweitberufe voneinander unterscheiden, so sehr differiert auch der Umgang mit ihnen. Für manche KünstlerInnen ist der Zweitberuf ein notwendiges Übel, andere sehen darin eine Möglichkeit, sich auf einem weiteren Gebiet zu verwirklichen. Es gibt aber auch KünstlerInnen, die Erfahrungen aus ihrem Job in die Kunst einfließen lassen.

Carola Dertnig, Künstlerin
Mario Pruner, Künstler
Barbara Sturm, Künstlerin
Moderation: Nina Schedlmayer, Kritikerin

Montag, 17. Januar 2005, 20.00
Film der Alliierten nach 1945

Die ersten Monate der Besatzung Deutschlands und Österreichs standen im Zeichen des Potsdamer Abkommens und der Nürnberger Prozesse mit Entnazifizierung und Entmilitarisierung, aber auch mit der “Re-education” und “Re-orientation” im politischen Denken. Die Alliierten zeigten unter anderem Filme über Konzentrationslager und über die Kriegsschuld, die übrigens schon 1947 wieder zurückgezogen wurden, weil sie beim Publikum sehr unbeliebt waren. Einige davon – sie sind selten zu sehen – werden vom Depot gemeinsam mit kinoki vorgestellt.

Concentration Camp Ebensee Austria. 08-May-1945 (A/USA 1945)

Die Todesmühlen (D/USA 1945, R: Hanusˇ Burger/ Billy Wilder) zeigt die Weimarer Bevölkerung, die im Sommer 1945 auf Anweisung der Amerikaner das nahegelegene KZ Buchenwald besichtigen muss, und wechselt dann zu Bildern jener Menschen, die nur ein paar Jahre zuvor begeisterte Nazis waren.

Les Camps de la Mort (F 1945, Les Actualités Françaises) blieb als Einziger der
„Atrocity-Filme“ bis in die 50er Jahre in Deutschland verfügbar.

Oswiecim/Auschwitz (UdSSR 1945, Zentrales Studio für Dokumentarfilme Moskau)
zeigt Szenen aus Auschwitz nach der Befreiung durch die Rote Armee.

A Defeated People (GB 1945/46, R: Humphrey Jennings) ist eine der differenziertesten
Darstellungen der Re-education-Politik.

Frischer Wind in allen Gassen (D 1951): In der Stadt Eberbach wird an drei Tagen im Jahr die Stadtverwaltung von der Jugend übernommen.

Einleitung und Kommentar von Thomas Tode, Filmwissenschafter, Hamburg

Freitag, 14. Januar 2005, 19.00
Politische Metaphern
Wie Bilder Meinung machen

Metaphern sind nicht bloß rhetorisch-stilistische Mittel, um Aussagen „aufzupeppen“. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um kulturspezifisch erworbene kognitive Denk- und Weltauffassungsmechanismen, mit deren Hilfe die Sicht auf die Welt strukturiert wird. Im politischen Diskurs dienen Metaphern dazu, das Unanschauliche anschaulich und das Vieldeutige eindeutig zu machen. Gleichzeitig tragen sie oft auch zur Selbstlegitimierung und zur Abwertung des politischen Gegners bei. Als Datenmaterial für die vorgestellte Diplomarbeit dienten Zeitschriften-Interviews und Mitschriften von Reden österreichischer PolitikerInnen von 1999 bis 2001.

Alexander Ruprecht: „Schon mancher ist als politischer Tiger abgesprungen und als Bettvorleger geendet.“ Eine Analyse von Metaphern in der Politikersprache auf Basis der kognitiven Metapherntheorie. Diplomarbeit, Universität Wien 2001

Donnerstag, 13. Januar 2005, 21.15
Pop goes Cinema
Film und Theorie

Während Orpheus, will er Eurydike aus der Unterwelt zurück ins Leben führen, nur vorwärts schauen darf, muss der Protagonist in The Eternal Sunshine of the Spotless Mind immer tiefer in die Hölle seiner eigenen peinlichen Erinnerungen vordringen, um zu verhindern, dass die Geliebte aus seinem Gedächtnis ausradiert wird. Michel Gondry, der sich bislang als Schöpfer gelungener Musikvideos (u.a. für Bjoerk) einen Namen gemacht hat, greift auch bei der filmischen Umsetzung dieser surrealen Science-Fiction-Liebesgeschichte bisweilen auf ästhetische Praktiken des Videoclips zurück, und zwar besonders dann, wenn es um die Darstellung „großer Gefühle“ geht wie Liebe, Begierde oder Eifersucht. Und damit erzeugt er so etwas wie einen narrativen Überschuss ... Pop goes Cinema.

Gerald Weber, sixpack Film

The Eternal Sunshine of the Spotless Mind (R: Michel Gondry, USA 2004) wird um
19.00 im AudiMax der TU-Wien gezeigt.

Mittwoch, 12. Januar 2005, 19.00
Politik ausgehend von Derrida
Gespräch

Wie selten zuvor stehen sozialstaatliche und egalitäre Errungenschaften der Politik in Diskussion: der Wohlfahrtsstaat wird in Frage gestellt, die Utopie der multikulturellen Gesellschaft wird verabschiedet – ungeachtet dessen, dass sie zum Teil schon Realität ist – und angesichts des internationalen Terrorismus werden Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Welche Rolle kann im Rahmen der Gegenmaßnahmen die Philosophie spielen? Das Gespräch nimmt seinen Ausgang bei Jacques Derrida, der sich in seiner Spätphilosophie dezidiert mit dem Politischen auseinandergesetzt hat, und behandelt phänomenologische und poststrukturalistische Positionen. Ein Vorspiel zur Derrida-Adorno-Tagung des IWK vom 21. bis 23. Jänner.

Giovanni Leghissa, Institut für Philosophie, Universität Wien
Stefan Nowotny, Philosoph, Universität Lüneburg

Dienstag, 11. Januar 2005, 19.00
Wir Sporthelden
Podium

Im Februar 1972 wurde Karl Schranz, hoffnungsvoller Anwärter auf olympisches Gold, von der Teilnahme an den Spielen ausgeschlossen und dennoch – oder gerade deswegen – in seiner Heimat als Held gefeiert. In nationaler Empörung versammelten sich die ÖsterreicherInnen auf dem Heldenplatz, als wäre die Nation als Ganze ausgeschlossen worden. Wie kaum ein anderer Bereich verknüpft der Sport seine Aktiven mit dem passiven Publikum und stärkt damit ein Wir-Gefühl. „Wir“ haben gewonnen, „wir“ stehen hinter unserer Mannschaft und „wir“ sind ganz ergriffen, wenn einer von uns in Rot-Weiss-Rot auf dem Stockerl steht. Woher kommt eigentlich diese Nationalisierung im Sport?

Ingrid Wendl, NR-Abgeordnete und ehemalige Eiskunstläuferin
Johann Skocek, Sportredakteur
Michael Fanizadeh, FairPlay
Birgit Bolognese-Leuchtenmüller, Professorin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Uni- Wien
Moderation: Georg Spitaler, Politikwissenschafter

Montag, 10. Januar 2005, 19.00
Soll, Sein und Haben
Dramolette

„In dieser Konfiguration einzigartig im deutschsprachigen Raum“, lautet der Werbespruch auf der Homepage der Filmschule Wien. Einzigartig ist auch die Schlussszene ihrer Aktivitäten. Obwohl die Studierenden 508 Euro monatlich zahlten und die Stadt Wien subventionierte, wurde nur wenige Jahre nach der Gründung der Konkurs eröffnet. Was bedeutet das für die Studierenden und ihre Investition in die Ausbildung? Am Vorabend der ersten Prüfungsund Berichtstagsatzung im Handelsgericht Wien und rund um das Konkursverfahren lesen die Mitglieder der Gruppe Umkehrfilm Erstaunliches aus Interviews, Protokollen, Sachverständigengutachten und Werbematerialien der Schule.

Umkehrfilm, Gruppe betroffener Studierender und Lehrender

Montag, 10. Januar 2005, 19.00
Bildtheorie
Lesekreis

Der Begriff des Bildes wird heute grundsätzlicher diskutiert als in der traditionellen Kunsttheorie, die das Bild nahezu mit Malerei gleichgesetzt hat. Seit den phänomenologischen und den semiologischen Bildtheorien der Siebziger, spätestens aber seit dem „iconic turn“ in den Neunzigern wird genauer überlegt, was ein Bild als Bild überhaupt ist. Entsprechend haben sich in den letzten Jahren die Bildwissenschaften als neue Disziplin parallel zur Kunstgeschichte entwickelt. Im Lesekreis werden die grundlegenden Texte zu dieser Diskussion gemeinsam gelesen und besprochen. In der ersten Sitzung sind das Passagen aus dem Aufsatz „semiotics and art history“ (art bulletin 1991) von Mieke Bal und Norman Bryson. Kopiervorlagen liegen in der Depot-Bibliothek auf.

Koordination durch Verena Gamper und Dominik Portune, Depot

Die Veranstaltung findet im ersten Stock statt.